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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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indem sie sich einen Riemen um den Hals banden und daran eine Blcchkiste befestigten, worin sich der Proviant befand. Kamerad Jäkel wäre dabei bald ertrunken. Die nächste Nacht verbrachten wir wieder wie die vorige. Aber nun schien uns die Lage doch bedenklich. Die Kompagnie hatte keine Pferde und Ochsen zur Verfügung und wir keinen Proviant. Endlich, im Laufe des Tages, nahm das Wasser wieder ab; denn so schnell die Flüsse anschwellen, so geschwind verfließen sie auch. Mir war es gelungen, eine Stelle ausfindig zu machen, wo der Wasserstand am niedrigsten war, doch das Durchtreiben des Viehes verursachte uns immer­hin noch Schwierigkeiten; denn es befanden sich Schafe und Ziegen darunter, und diese wollen durchaus nicht durchs Wasser. Nach vieler Mühe war es doch gelungen; aber es war auch die höchste Zeit; denn die Kompagnie hatte den Auftrag erhalten, den gefangenen Cornelius mit seiner Bande nach Rehoboth zu bringen, und am nächsten Morgen wurde abgerückt. Wie dieses Beispiel zeigt, hatten wir in Südwestafrika nicht nur die Schwarzen, sondern auch viele andere uns entgegentretende Hindernisse zu bekämpfen.

Max Lemnitz,

ehem. Gefreiter der 5. Koinp. 1. Feldregts. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Sergeant im Regiment Nr. 114, Konstanz.

Der Damaraknabe.

In den Maitagen des Jahres 1905 waren wir, die erste Ersatzkompagnie (Abteilung von Estorff), auf der Suche nach dem Verbleib der Hottentotten. Ein weites Terrain hatten wir schon durchstreift, hatten glücklich alle Schwierigkeiten des Geländes, Felsen und Klippen, überwunden, aber keinen Feind getroffen. Das Bett des Fischflusses, in dem wir vorwärts strebten, war mit Felsblöcken wie übersät. Oberleutnant Leisner, ein Bayer, war der Führer unserer Patrouille, die aus 20 Berittenen bestand. Peine hieß unser Feldwebel, Oberhofer der Sergeant, und die Unteroffiziere waren: Böttcher, Klabecki und Wittich. Außerdem nahmen noch Gefreiter Ludwig und die Reiter Thieme, Ostmann, Völker, Komdyr, Pelzer, Reisner, Machon, Altpeter, Kluge, Gnies, Henkel, Schütt, Lackermann und ich an dem Ritt teil, der uns den Fischfluß abwärts führte den Spuren des Feindes folgend.

Eines Morgens es war am 24. Mai überraschten wir, noch in der Morgen­dämmerung, nicht etwa feindliche Krieger, sondern einen alten Damara mit zwei Knaben. Der ältere entsprang uns, doch den kleineren führten wir mit uns fort. Ich nahm das Kind bis zur nächsten Wasserstelle mit auf mein Pferd, und während des Abkochens verfertigten wir dem Jungen aus unsern Zwiebacksäcken einen Anzug er sah ganz Patent aus. Eine Weile später entdeckte die Wache auch den vorher entlaufenen, zwölfjährigen Jungen draußen im Busche. Voll Angst und Grauen kam er heran halb verhungert. Als wir ihm von unserem Zwieback gaben, wurde er vertrauter, und der Oberleutnant nahm ihn ganz freundlich ins Verhör.

Mit Freuden hörten wir, daß nicht allzuweit, bei der Wasserstelle Dabib, eine Werft sei. Auch gutes Wasser sollte dort vorhanden sein, wie der Damarajunge lobend erwähnte.

Satteln!" befahl der Oberleutnant, und vorwärts ging's. Als es dämmerte, zeigte uns der Junge einen auf einer Höhe stehenden einsamen Baum: dahinter sollte die Werft liegen wie er uns zu verstehen gab. Der Oberleutnant ließ absitzen, und voller Spannung zogen wir vorsichtig der Höhe zu. Nach kurzer Wanderung sahen wir die Werft vor uns liegen; der Junge hatte uns richtig geführt. Schon konnten wir die Pvntoks erkennen. Alles schien