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richtigen Ruhe- und Erholungözeit kamen und aus triftigen Gründen auch nicht kämmen konnten. Die Feldtruppen gingen nach anstrengenden Gefechten oder energischer Verfolgung des Gegners zur wohlverdienten, meistens durch Mannschafts- und Tierznstand bedingten Ruhe an einer Wasserstelle über, während die Kolonnen tagein, tagaus oder, besser gesagt, nachtein, nachtaus unterwegs auf der Pad waren und ihr undankbares (? d. H.) Geschäft, nämlich das des Proviant- oder, wie man es drüben nannte, des Spcckfahrens, betrieben. Zwischen Ankunft in Windhuk, oder welchen anderen Ausgangspunkt sie sonst hatten, und Wiederabmarsch nach dem nicht immer neuen Ziel lagen wohl offiziell drei bis vier Ruhetage. Tatsächliche Ruhetage waren es aber nur für die Tiere, die Mannschaften hatten alle Hände voll zu tun, um sich für die nächste Pad in marschfähigen Zustand zu versetzen. Durch Ausfall von Mannschaften — Ersatz erhielten die Kolonnen naturgemäß so gut wie gar nicht, da zunächst dem Mangel an Leuten in der Front abgeholfen werden mußte — wurde der Dienst später immer beschwerlicher, vor allem deswegen, weil ja der einzelne jetzt
Schwieriger Transport durch den Weitzen Nossob.
öfter zum Nachtdienst herangezogen werden mußte. (Und Wachen waren wahrlich nötig, denn grade Überfälle auf Kolonnen boten dem beutegierigen Feinde einen besonderen Reiz. D. H.)
Um die Tiere in dauernd brauchbarem Zustande zu erhalten, war es geboten, der Hitze wegen möglichst wenig am Tage zu marschieren. Zur Bewältigung größerer Strecken bis zur nächsten Wasserstelle mußte deswegen die Nacht zu Hilfe genommen werden. Der Weidegang in der Nichtregenzeit war unbedingt zur Nachtzeit erforderlich, und der Nachtdienst wurde infolgedessen noch anstrengender. Daß auch die Märsche nicht immer so glatt und ohne Überwindung von Schwierigkeiten Verliefen, geht aus der beigefügten Photographie hervor. Auf dem Marsche Windhuk—Epukiro mußten im Februar 1905, also in der Regenzeit, der Weiße Nossob dreimal und der Schwarze Nossob einmal, außerdem noch eine Menge kleinerer Riviere, die jedoch alle Wasser führten, überschritten werden. Die betreffende Aufnahme ist gemacht, als meine Kolonne zum ersten Male den infolge starker Regengüsse abgekommenen Weißen Nossob bei Orumbo durchführen mußte. Neun Stunden dauerte es, bis sämtliche 19 Wagen das vielleicht 100—150 Meter breite Flußbett durchquert hatten. Die Mannschaften, die damals bei der ersten Kolonne der dritten Kolonnen- abteilung standen, werden sich dieses anstrengenden TageS noch gut erinnern. Die meisten hatten sich ihrer Kleider mehr oder weniger ganz entledigt, nur im Wasser besser zugreifen zu