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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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können. Infolge dieser Unvorsichtigkeit, den nackten Körper stundenlang der afrikanischen Sonne zur Mittagszeit auszusetzen, mußte leider eine große Zahl der Beteiligten in den nächsten Tagen arge Schmerzen ertragen; denn am ganzen Leibe bildeten sich, ähnlich wie bei Brandwunden, Blasen, und die Haut schälte sich ab. Auch die Gebirge bei Windhuk sind mancher Kolonne infolge schlechter Padverhältnisse, meistens znr Nachtzeit, verhängnisvoll geworden. Trotzdem haben die Leute ihre Pflicht voll und willig getan, die Disziplin war gut, wenn auch der größte Teil der Mannschaften, genau wohl wie jeder Offizier, im Innern öfters mißgestimmt war, daß gerade er bei denSpeckfahrern" stehen mußte; denn wir hatten uns doch alle in der Heimat zur Schutztruppe gemeldet, in der Hoffnung, mal in den Kampf vor den Feind zu kommen. Daß Anstrengungen sich leichter ertragen lassen, wenn man in Spannung ist und in der Erwartung, in absehbarer Zeit an den Gegner heranzu­kommen, wenn man vormarschiert oder ihn nach einem siegreichen Gefecht, voll Stolz, mit dabei gewesen zu sein, verfolgt, als wenn man den eintönigen, ziemlich gefahrlosen (? d. H.), allmählich abstumpfenden Kolonnendienst tut, ist klar. Aber man erfüllt eben seine Pflicht da, wo man hingestellt wird, das ist auch klar.

Jacubowsky,

ehem. Leutnant der Kaiserl. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika.

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Schicht mir die Kerls herunter!"

Omaruru, 3. Februar 1904.

An dem Siegesznge der 2. Kompagnie des Hauptmanns Franke den Tagen von Okahandja, Kaiser-Wilhelms-Berg, Omaruru, Otjihinamaparero nahm

auch der damalige Gefreite Jllgen überaus ehrenvollen Anteil. Aus seinen ausführlichen Aufzeichnungen, die verspätet eintrafen, kann des Raumes wegen nur ein kurzer Abschnitt gebracht werden, der sich den übrigen Berichten über Omaruru einfügt. Jllgen, der schon für die mit Hauptmann Franke gemeinsam ausgeführte Rettung des Leutnants Freiherrn von Wöllwarth aus dem reißend abkommenden Swakoprivier nahe Teufelsbach am 23. Januar 1904 die Rettungsmedaille erwarb und dann weiter zur Befreiung seiner eigenen Garnison Omaruru vorrückte, sagt aus der Zeit des Vorrückens am 3. Februar 1904:

Ein Teil der Eingeborenen machte einen Um­gehungsversuch, um der Kompagnie in den Rücken zu fallen. Die Nachspitze, zu der auch ich gehörte, entwickelte sich sofort gegen die Feinde, und sandte ihnen ein wir­kungsvolles Schnellfeuer entgegen. Im Verlauf des Ge­fechts wurde Oberleutnant von Nathusius an der Schulter verwundet; Gefreiter Hoffmann kam mit zwei Schuß im Rücken mit seinem verwundeten Pferde bei uns angesprengt. Die Verwundeten wurden in das Ka­pitänshaus gebracht, und so gut es ging verbunden. Wäh­rend des Verbindens schössen wir acht durch die Fenster. Im stärksten Feuer kam plötzlich unser Hauptmann auf

Sergeant Max Jllgen.