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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Der Ingenieur unter der Waffe.

Den Briefen des Ingenieurs Ernst Dieterichs an seine Mutter sind die nach­folgenden Aufzeichnungen entnommen:

Windhuk, 14. Februar 1904.

Wie ich aus demHannoverschen Anzeiger" ersehe, seid Ihr ja ganz genau unterrichtet, so das; ich nur eine Schilderung der Kriegslage ersparen kann. Am 12. Januar bekam ich Gestellungsbefehl. Tags darauf wurde ich in den bunten Rock gesteckt. Eine Hiobspost nach der andern traf von den umliegenden Farmen ein, wo die Hereros ganz entsetzlich gehaust hatten. Gleich in der Nacht mußte ich am Pulverschnppen, zirka ^ Kilometer vor Windhuk, Posten stehen. Als ich um 6 Uhr morgens zurückkam, lag die ganze Festung voll Weiber und Kinder, und es war ein furchtbarer Trubel. Dann wurde ich mit 30 Mann unter Be­fehl des Leutnants d. R. Mettge als Batteriewache abkommandiert. (Die Batterie bildet die Seitendeckung der Festung und kann als Fort angesehen werden.) Hier haben wir Ver­schanzungen und Verhaue allerart angelegt. Der Leutnant hatte mich besonders gern, und ich kann Wohl sagen, daß es mir dort oben sehr gut gefiel. Am 17. Januar gingen wir in einer Stärke von zirka 100 Mann (drei Viertel der ganzen Macht) gegen Osten vor. Es fand bei FarmHoffnung" ein Gefecht statt, in dem aber nur unser kleines Gebirgsgeschütz zu Worte kam, worauf sich zirka 7080 bewaffnete Kaffern eiligst drückten. Dann gab es wieder die alte Leier: Postenstehen, Scheibenschießen (ich bester Schütze), Gewehr reinigen. Am 20. Januar endlich kam Hauptmann Franke mit 130 Mann und einem Feldgeschütz aus Gibeon zurück und entsetzte Windhuk durch das Gefecht bei Hares. Am Tage darauf wurden alle Bahnangestellten wieder zur Bahn abkommandiert, und am 22. Januar ging es unter dem Befehl von Oberleutnant d. L. Dieterici nach Okahandja vor. Fünf Tage schwerer Arbeit folgten, denn der Sand hatte im Verein mit kolossalen Regengüssen die Strecke furchtbar demoliert, Brücken und Telegraphen vernichtet. Endlich, aber ohne einen

Schuß, kamen wir am 27. an der großen Okahandja- Nivier- Brü cke, 3 Kilo- meter vor Oka­handja, an. Oberleutnant Dieterici ging mit einer Pa­trouille von vier Mann durchs Rivier. (Haupt­mann Franke war mit zwei Geschützen von Osten gleichzei­tig gegen Oka­handja vor­gegangen, und