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dort knallte es ganz gefährlich; die Brücke, zirka 150 in lang, war durch Abbrennen einzelner Joche vollkommen zerstört worden und das Gleis auf weite Entfernungen aufgerissen worden.) Wir Eisenbahner sahen uns die zerstörte Brücke an und disputierten, auf dem Brückenköpfe stehend, über die Art und Weise, wie die Kerls das gemacht hatten. Plötzlich knallt es von den gegenüberliegenden Höhen und sft sft sft pfeifen die blauen Bohnen uns um die Ohren. Wir, etwa 20 Mann, legten uns hinter den Bahndamm und ballerten aus die schwarzen Köpfe, die sich hinter den Klippen zeigten. Ab und zu verschwand einer. Eine halbe Stunde mochten wir so gelegen haben, als Dieterici in vollem Feuer zurückkam. Unser Zug mußte verteidigt werden, da wir drei Wagen Artilleriemunition und ebensoviel Jnsanteriepatronen daraus hatten. Da hieß es: „Freiwillige vor zum Borgehen!" und zwei Mann meldeten sich, und zwar zwei Hannoveraner, Herr Hoffschmidt und ich. Wir beide und der Oberleutnant gingen nun gegen die Klippen vor. Hei! wie das brummte und pfiff. Auf einmal findet Hoffschmidt eine menschliche Leiche, er ruft uns. Wir sehen unsern alten Streckenwärter Schulz, halbverwest und entsetzlich verstümmelt. Da gab's kein Halten mehr. Vorwärts hieß es, drauf! Im Laufschritt nahmen wir eine kleine Hererowerft, von der ein paar Kerls eiligst ausrüsten. „Krach!" „krach!" „krach!" und drei blieben liegen! Hier waren wir dicht vor den Klippen. Jetzt saß jeder Schuß, aber um uns herum pfiff und brummte es in allen Tonarten. Ungefähr 700 Nieter waren wir jetzt vorgegangen; doch weiter durften wir nicht, wollten wir nicht ins eigene Feuer kommen, also schössen wir. Eine schwarze Gestalt sah ich oben aus der Klippe stehen, das Gewehr nach mir gerichtet. „Krach!" da knallt's, und mir flogen die Splitter des Baumes, hinter dem ich stand, ins Gesicht. „Krach!" ging's bei mir, und der Kaffer da oben brach zusammen. Und so ging's noch eine halbe Stunde, da sahen wir die Hereros verschwinden. Noch ein paar Abschiedsgrüße sandten wir ihnen nach und warteten ab, bis die Munition auf Ochsenwagen geladen und nach Okahand ja gefahren war. Als dies geschehen, begruben wir die Leiche und schössen die drei Ehrensalven. Dann kehrten wir zum Zuge zurück.
Ernst Tieterichs.
Ernst Dieterichs,
chem. Freiwilliger der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Ingenieur in D.-Südwestafrika.
Ernst Dicterichs wurde siir sein tapferes Verhalten am 27. Januar 1901 mit dem Militär- Ehrenzeichen 2. Klasse dekoriert. (D. H.)
Der Simmentaler Bulle.
Erschrick nicht, lieber Leser, vor der Überschrift meiner Erzählung. Du weißt, Deutsch- Südwestasrika hat herrliche Weideplätze und ist deshalb für Viehzucht sehr geeignet. In der Viehzucht aber spielt unser Held eine große Rolle, besonders wenn er so ein Prachtkerl ist und