Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
447
Einzelbild herunterladen

447

extra zur Verbesserung der afrikanischen Viehrassen aus dem schönen Simmental nach dem fernen Afrika gebracht wurde.

-i- -i-

Soeben haben die Hcreros an der ersten Brücke Z mein Vieh abgetrieben, darunter auch den Simmentaler Bullen!" rief, sein schreckensbleiches Angesicht durch die Türspalte steckend, der Ansiedler Voigts in das Kasinozimmer der Feste Okahandja, und weg war er wieder.

-t-

Die nach dem gerade beendeten Mittagessen noch gemütlich bei Bier und Zigarre sitzenden Offiziere es war Sonntag sahen verwundert auf.Was ist los?"Wer war das?" so fragte man durcheinander. Als die der Tür zunächst Sitzenden Aufschluß gegeben hatten, herrschte allgemeines Erstaunen über die Kühnheit der Hereros.So 'ne Frechheit! Die Kerle holen uns ja noch das Vieh hier vom Platz fort!" hieß es. Sofort bestimmte der Etappen- kommandant, Hauptmann Bech, daß eine Patrouille den Viehräubern nachsetzen solle. Leutnant von Rosenberg sollte sie führen. Dieser war an demselben Morgen erst von der Pad gekommen und labte sich jetzt an dem solang entbehrten Naß edeln Gerstensafts; er tat noch einen ge­waltigen Zug und verließ dann das Zimmer, sich für den Ritt zu rüsten. Wir begleiteten ihn hinaus. Hei! was herrschte auf dem in der Mittagsvnne glühenden Platze für ein Leben. Alles lies und rannte: Koffern, Buren, Soldaten. Die Kaffern, sogenannte Kapboys ^), rannten nach dem Flusse, schwangen sich aus die dort grasenden Pferde oder trieben sie schreiend und schlagend nach der Ansicdlung; die aus ihrem Mittagschlaf aufgeschreckten Buren stürzten aus ihren Hütten und Zelten hervor und sattelten in größter Hast ihre Rosse; die für die Patrouille bestimmten Soldaten ergänzten in aller Eile ihre Munition in der Feste und liefen dann nach dem Kral, in dem sich die Pferde der Etappe befanden. Alles gleichzeitig und viel schneller, als man es schreiben kann! Kaum waren ein paar Minuten ver­gangen, da galoppierte auch schon der Ansiedler Voigts auf seinem Schimmel über den Platz, das Gewehr schuß- fertig in der Rechten. Wie die Männer eben fertig wurden, schloß sich einer nach dem andern an, so daß man schließlich eine lange Reihe einzeln hinter­einander galoppierender Reiter den Bergen im Süden zustreben sah. Einige waren nur notdürftig bekleidet; hier schnallte einer noch während des Reitens an seinem Sattelzeug, dort lud ein anderer im Galopp sein Gewehr man sah sofort, daß esalte Afri­kaner" waren, die da hinter den Schwarzen hersetzten.

Hing doch alles davon ab, daß man sich so schnell wie möglich den Räubern an die Fersen heftete.

Voigts auf seinem Schimmel war schon längst hinter den Büschen verschwunden, und immer noch jagten einzelne Reiter über den Platz, den in der Ferne aufstrebenden Staubwolken nach. Auch Leutnant von Rosenberg mit seiner etwa 20 Mann starken Patrouille entschwand bald unseren Blicken.

*) Eisenbahnbrücke über den Aland», Nebenfluß desSwalop, etwa eine Viertelstunde von Oka­handja entfernt.

2) Junge Farbige aus der Kapkolonic, die als Treiber verwendet werden.

Zeukleutnant Wilhelm Liildt.