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In der Frühe des nächsten Tages kehrten die Verfolger heim. Das Großvieh, darunter auch den Simmeutaler Bullen, hatten sie den Räubern abgejagt.
Zum Kampf war es nicht gekommen. Beim Nahen so vieler Gegner hatten die Hcreros es vorgezogen, das Großvieh laufen zu lassen, und während die Weißen dieses einsingen, gelang es den Schwarzen, sich mit dem schnellfüßigen Kleinvieh in Sicherheit zu bringen und wohl zur nächsten Wasserstelle zu treiben oder Zu einer Vlei, einem Regen-Sammelbecken, von Weidegrund umgeben.
Den Stier hatte die Parforcctour in die Berge stark mitgenommen. Er erholte sich aber bald und versieht heute wieder seinen Dienst zu Nutz und Frommen seines Herrn und seiner Herde.
Wilhelm Lindt, Zcugleutnant,
früher beim Munitionsdepot Okahaudja, z. Zt. Königsberg i. Pr.
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Die 9. (Gebirgs-) Batterie.
i.
Auf dem Baiwege.
Gegen Ende der regcnlosen Zeit 1904 befand sich die eben gelandete 9. Gebirgsbatterie auf dem Marsche von Lüderitzbucht nach KeetmannShoop, um sich der Abteilung des Majors von Lcngerke anzuschließen.
Menschen und Tiere waren noch nicht au die afrikanischen Verhältnisse gewöhnt. Die Wasserstellen an der Pad waren weit voneinander entfernt und wenig ergiebig. Lange, heiße Märsche und großer Durst waren die Folge.
So kam mau eines Abends bei Brackwasser an. Eifrig ließen die Reiter die Eimer der beiden Brunnen hinab. Die durstigen Tiere drängten hinzu; aber der eine Eimer kam ganz leer herauf, der andere enthielt kaum ein Liter schlammigen Wassers, und gegen Mitternacht war alles versiegt. Nur die Hälfte der Tiere hatte etwas bekommen; den übrigen aber sah man an, daß sie die nächste, einen starken Tagemarsch entfernte Wasserstelle nicht mehr erreichen würden. So wurde denn am nächsten Tage im Flußbett nach Wasser gegraben. Man tat es zum erstenmal, und gering war bei vielen die Zuversicht. Bald aber sammelte sich zum Erstaunen der Ungläubigen Wasser in den Löchern, und um 3 Uhr nachmittags hatten alle Tiere einmal saufen können. Der Weitermarsch führte am folgenden Tage durch das Rivier. Bis dahin konnten die Wasserlöcher sich ganz füllen und den Tieren neuen Trank spenden. Jetzt tat Ruhe und Weide not. Die Reiter setzten sich froh ins Lager und fühlten sich ganz als „alte Afrikaner". Hatten sie doch im trockenen Sande Wasser gefunden.
Doch bald bescherte ihnen Afrika eine neue Überraschung. Ganz plötzlich bezog sich der Himmel, und unter Donner und Blitz ging ein Platzregen nieder, wie man ihn noch nicht erlebt hatte.
Als man sich nun an: nächsten Morgen dem Rivier näherte, erblickte man statt des trockenen Sandes einen reißenden Strom. Alles frohlockte, und im nächsten Augenblick trank Mensch und Tier in langen Zügen. Doch dann hieß es, den Fluß überschreiten. Die Pad führte als Furt hindurch; das Wasser war aber so tief, daß die Geschütze ganz darin verschwanden, und die Strömung stark. Die Reiter waren bald drüben, aber die Fahrzeuge hatten es schwerer. Sie waren mit je zehn Maultieren bespannt. Alle Augenblicke wollten die Tiere stehen bleiben, saufen oder sich hinlegen.