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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Als man bald darauf einen zweiten Fluß überschritten hatte, benutzte man die Gelegenheit, am rauschenden Wasser, im Schatten der Bäume zu rasten und abzukochen. Dann wurde in Afrika das erste Vollbad mit Seife genommen. Es blieb für lange Zeit das einzige. Besonders Unter­nehmungslustige begannen sogar zu fischen.

Die jungen Afrikaner hatten nunmehr die Erfahrung gemacht, daß man innerhalb 24 Stunden in demselben Flußbett dem Verdursten und dem Ertrinken nahe sein kann, und daß ein solcher Fluß keine Fische enthält. So blieben die er­hofften Forellen zwar ungegessen; aber Mensch und Tier hatten ihre alten Kräfte wiedergewonnen, und der Weitermarsch war durch die Aussicht auf er­giebige Wasserstellen wesentlich verschönt.

II.

Die Schrapnells der GeLirgsgeschütze.

Der Feind war nahe; deshalb verbrachte die Abteilung Deimling die Nacht vorn 6. zum 7. Januar 1905 in völliger Gefechtsbereitschaft. Man lagerte auf dem rechten Auobufer, unmittel­bar am Rande der senkrecht zur Talsohle abfallenden Felswände. Die Pferde durften nicht zur Tränke hinabgetrieben werden, denn schon einmal hatte der Feind den Moment wahrgenommen und das Lager angegriffen, während ein Teil der Reiter die Tiere im Tal tränkte. Oberst Deimling selbst hatte mit den sieben Gewehren seines Stabes den ersten Ansturm abgewehrt, bis Leute und Pferde den steilen Pfad zum Lager erklommen hatten.

Nun zeigte sich wieder, wie vorzüglich die Ochsen für die afrikanische Kriegführung waren. Nicht nur, daß sie mehr ziehen und länger dursten konnten als Pferde und Maul­tiere diese mußte man unter starker Bedeckung die ganze Nacht über auf der Weide lassen. Sie hätten uns sonst am nächsten Tage im Stich gelassen. Die Ochsen aber brauchten nur zwei Stunden Weide, dann wurden sie wieder vor die Geschütze und Wagen gespannt; sie legten sich in den Jochen nieder und ruhten, wiederkäuend, die ganze Nacht im Lager.

Am Morgen sah man Hottentotten auf dem anderen Ufer. Doch nach einigen Schüssen der Gebirgsgeschütze gingen sie nach Norden zurück. Es schien, als ob der Feind uns auszuweichen suchte. Schon wollten wir flußaufwärts weitermarschieren, da kam jene berühmte Meldung des Leutnants Fürbringer, daß Witbooi uns hier eine Falle gestellt habe. Sofort ließ Oberst Deimling links abbiegen. Dadurch gewann er die Dünen, die sich in etwa 800 Bieter Abstand längs des Auob dahinziehen. Zwischen der ersten und zweiten Düne ging's dann wieder nach Norden. So hatte man auf beiden Flanken Schutz. Plötzlich schlugen von vorn die ersten Kugeln ein. Die Avantgarde, Kompagnie Ritter, schwärmte aus, die Artillerie sollte auf der Düne rechts auffahren.

Doch kaum zeigten sich hier die ersten Köpfe, als auch vom Auob her die feindlichen Geschosse geflogen kamen. Es war eine Freude, zu sehen, wie eifrig die Leute in den Rädern arbeiteten, um die letzte Steigung zu nehmen. Reiter Gorny wurde verwundet. Man achtete

Oberleutnant Graos.