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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Weißenborn befahl, mit vier Mann (Reiter Kuwe, Meier, Eingeborenem Klaas Cooper nnd mir) die linke Flanke zu sichern. Wir erreichten feuernd eine Kuppe. Schon auf dem Wege dahin erhielt Reiter Meier einen Schuß. Wir richteten uns, so gut es ging, dort oben eine kleine Schanze ein; aber die Lage war doch bald brenzlig, denn von mehreren Seiten wurden wir beschossen. Der Unteroffizier hatte schon vor dem Ersteigen dem verwundeten Gefreiten Webel zugerufen, er möge um Verstärkung bitten; aber die blieb aus. Näher und näher kamen die Hottentotten unserer Kuppe. Der Veterinär der 1. Etappenkompagnie, der sich uns angeschlossen hatte, konnte durch sein gutes Glas genau erkennen, wie 900 Bieter von uns entfernt der Vizefeldwebel Sonntag am Wasser im Rivier, wo er seine Wunde kühlen wollte, überrascht und grausam erschlagen wurde. Unser Feuer dahin blieb erfolglos, aber dafür be­kamen wir's von neuem. Bis zur Nacht dauerte das Schießen. Ein einziges kleines Bröt­chen teilte ich mit den Kameraden. Aber was nun? Die Nacht hindurch von zahlreichen Feinden völlig umschlossen dort oben bleiben? Wir beschlossen, uns durch die Hotten­totten durchzuschleichen. Es war dunkel geworden. Vorsichtig brachen wir auf das Seitengewehr aufgepflanzt. An der Spitze Klaas Cooper und ich. Der Mann sah wie ein Fuchs jetzt erkannte er Hottentotten. Auf Händen und Füßen krochen wir abwärts jeden Busch als Deckung benutzend. Nur kein Schuß! Der hätte uns den Schwärm auf den Hals geladen. Jetzt waren wir im Fischfluß tranken uns satt und füllten die Flaschen dann weiter auf der Pad von gestern. Unterwegs finden wir ein wundes Pferd und meinen Mantel, der wohl gestern vom Pferde gefallen. Noch immer ist äußerste Vor­sicht vonnöten! Bei Tagesanbruch erreichten wir die 9. Kompagnie. Man hatte uns alle für tot gehalten. Acht Stunden hatten wir zu einem Wege von 3 Kilometer gebraucht.

Wir erfuhren erst jetzt, daß außer Vizeseldwebel Sonntag noch Sergeant Huhn­stock von der 9. Kompagnie gefallen und Oberleutnant von Rosenthal, Sergeant Birkholz, Reiter Grzegorski, Kister und Webel verwundet waren. Auch Hauptmann Pichler war gefallen. Der 28. brachte neuen Kamps, aber jetzt waren 4 Geschütze, 2 Maschinengewehre und die 10. Kompagnie zu uns getreten.

Knillmann,

ehem. Sergeant der 9. Kompagnie 2. Feldregiments d. Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

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Morengas Ende.

Mitte August des Jahres 1907 kam aus dem Süden des Schutzgebietes die Nachricht, Morenga sei mit 400 Mann, darunter etwa 250 Bewaffneten, von der Kapkolonie aus in unser Land eingefallen und halte sich in der Gamsibkluft, der äußersten Südostecke des Schutzgebietes, auf. Ein neuer Feldzug schien bevorzustehen. Wenn auch die Stärke von Morengas Bande scheinbar sehr übertrieben war, so bedeutete doch schon die Persönlichkeit des Morenga, dieses tapferen und gewandten Hottentottenführers, eine große Gefahr. Es war nicht ausgeschlossen, daß sich die Bondels, welche erst vor kurzem unterworfen waren, Morenga anschlössen.

Auf Grund dieser Lage wurden starke Truppenvereinigungen im Süden angeordnet, außerdem wurde ein gemeinsames Handeln mit den englischen Grenzpolizeitruppen, der Oapo Llouuteä Kollos, verabredet, welche in der Stärke von etwa 120 Mann unter Befehl des Majors Eliott in Npington (zirka 180 Kilometer südöstlich Ukamas amOranje) zusammen­gezogen wurden.