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Ich erhielt von Oberstleutnant von Estorff den Befehl, mich zu Major Eliott zu begeben, um die Verbindung zwischen den deutschen und englischen Truppen bei den Operationen gegen Morenga herzustellen.
Nach siebzehntägiger Fahrt über Swakopmund, Kapstadt, de Aar, Prieska und Upington traf ich am 13. September in Longklip, halbwegs Ukamas—Upington, ein, wo die englische Polizeitruppe zur Beobachtung Morengas stand.
Dieser hielt sich noch immer in den äußerst unwegsamen Bergen bei Bakrivier- mund auf und hatte bisher noch nichts Kriegerisches unternommen. Der Abfall von etwa 40 bei ihm befindlichen Bondels und die TruPPenzusammenziehungen bei Ukamas hatten ihn wohl eingeschüchtert. Er schickte sogar Boten nach Ukamas mit der Bitte um Frieden.
Aber Morenga war es nicht Ernst mit diesen Friedensverhandlungen; er wollte dadurch nur Zeit gewinnen, aus der unangenehmen Situation zwischen deutschen und englischen Truppen zu entkommen. Als die Friedensboten zu ihm zurückkehrten, fanden sie das Nest leer. Der Zufall wollte es, daß eine englische Offizierpatrouille am 17. September etwa 8 Kilometer westlich Longklip auf Morengas Spur und bald darauf auf ihn selbst stieß. Morenga äußerte zu dem Führer der Patrouille, Leutnant Currie, er mache unter keinen Umständen mit den Deutschen Frieden, bitte aber Major Eliott um eine Unterredung am 18. September vormittags bei Longklip; er schien geneigt, sich den englischen Truppen zu stellen.
Am 18. September früh ritt Leutnant Currie von Longklip nach der Stelle, wo Morenga sitzen sollte, um ihn zu holen. Voll Spannung sahen wir von den Höhen von Longklip aus dorthin, von wo Morenga erscheinen sollte. Gegen Mittag sahen wir in der Ferne Staub, aber Leutnant Currie kam ohne Morenga. Dieser war, nach den Spuren zu urteilen, kurz vorher abgezogen.
Major Eliott befahl sofort die Aufnahme der Verfolgung — zunächst durch einen Zug, bis die nähere Abzugsrichtung festgestellt war. Am 19. mittags traf vom Führer dieses Zuges, Leutnant Mauder, die erste Meldung ein, wonach Morengas Spur nördlich Longklip vorbei nach Osten in Richtung Upington führe.
Gleich nach Eingang dieser Meldung, etwa 3 Uhr nachmittags, brach Major Eliott mit dem Rest der Abteilung auf. Es begann nun eine vierundzwanzigstündige, von nur kurzen Pausen unterbrochene Verfolgung.
Um 12 Uhr mitternachts in der Nacht vom 19. zum 20. September tränkten wir die Pferde zum letztenmal bis zum 21. September, 5 Uhr morgens. Noch führte Morengas Spur nach Osten. Da, gegen 2 Uhr vormittags, bog die Spur plötzlich nach Norden ab. Nun war kein Zweifel mehr, daß Morenga nicht etwa nach Upington gehen wollte, um sich dort zu stellen, sondern durch die Kalahari zu Simon CoPPer. Der schlaue Fuchs rechnete damit, daß wohl wenige Menschen, wie er mit seiner Bande — etwa 30 Köpfe —, durch die Wasserlose Kalahari ziehen und sich von Tsamas nähren könnten, daß aber Truppen mit Pferden sich scheuen würden, die Verfolgung in die Kalahari aufzunehmen. Uns wurde beim Eintreten in die Kalahari klar, daß nur eine ununterbrochene, rücksichtslose Verfolgung zum Ziel führen konnte. Wir mußten Morenga im Laufe des 20. einholen und zum Gefecht stellen. Glückte das nicht, dann hätten wir wegen Wassermangels auf der frischen Spur Morengas kehrtmachen müssen; Morenga wäre entwischt und in Sicherheit bei Simon CoPPer. Diese Erkenntnis gab dem Führer, Major Eliott, und seiner Truppe einen außerordentlichen Schwung.
Höchst spannend war die Verfolgung. Die „Scouts", eingeborene Polizisten, leisteten hierbei große Dienste. Während der Mondscheinhellen Nacht hielten sie immer vom Pferde herab die Spur Morengas, so daß diese nie verloren wurde oder länger gesucht werden mußte. Fast ohne Pause ging es weiter, Wohl über 300 schwere Dünen hinweg, in nördlicher Richtung. Gegen 7 Uhr morgens kamen wir an die Stelle, wo Morenga kurz