455
Vorher gerastet hatte. Mehrere zurückgelassene Decken, Felle, Kochgeräte usw. zeugten von der großen Eile, mit welcher die Bande, Wohl überrascht, weitergezogen war. Die Fußspuren ließen lange Schritte erkennen, ein'Zeichen, daß die Bande in schnellem Tempo ausriß. Unverkennbar war hierbei die große Fußspur Morengas. Inzwischen wurde es Mittag. Der Zug des Leutnants Mauder, welcher als Avantgarde voraus war, hielt jetzt und meldete, Morenga könne nur noch einen kurzen Vorsprung haben.
Die Verfolgung ging weiter. Gegen 1,30 Uhr nachmittags begann ein etwa halbstündiger Galopp. Um 2 Uhr kamen wir in eine landschaftlich ganz andere Gegend, nicht mehr kahle Dünen, sondern bergiges Gelände mit Busch. Hier konnte Morenga vielleicht die Absicht haben, sich zum Gefecht zu stellen. Major Eliott ließ sofort den vordersten Zug zum Gefecht absitzen und sich in großer Breitenausdehnung entwickeln. Unsere Annahme bestätigte sich. Morenga saß, wie vermutet, auf den Höhen. Es entspann sich nun ein längeres Feuergefecht. Der Gegner hatte sich so gut versteckt, daß lange Zeit nichts von ihm zu sehen war. Allmählich erkannten wir aber, daß eine besonders ausgeprägte Höhe der Schlüsselpunkt der Stellung war. Die Höhe wurde genommen und in der feindlichen Stellung vier Gegner erschossen und einer verwundet; bei uns siel hierbei ein Korporal, ein Mann wurde verwundet.
Auf der Höhe angelangt, erhielten wir aus dichten Büschen, etwa 400 Meter vor uns, wiederum Feuer. Aus einem der Büsche hörte man eine tiefe Stimme laute Kommandos abgeben. Gegen diese Büsche, besonders aber gegen letzteren, denn hinter ihm konnte Morenga liegen, richtete sich nun von unserer Seite aus ein lebhaftes Feuer, so daß drüben bald Hauvtmann von dem Hagen,
das Feuer verstummte. Bei dem darauffolgenden
Absuchen des Gefechtsfeldes fanden wir Morenga tot vor. Er hatte drei Schüsse, zwei durch den Kopf, und einen durch das Herz. Es war ein erhebender, unvergeßlicher Augenblick, als wir plötzlich vor der Leiche dieses Gegners standen, der unseren braven Truppen über zwei Jahre hindurch so viel zu schassen gemacht hatte. Wie mir einer der gefangenen Verwundeten sagte, hat Morenga tatsächlich nie die Absicht gehabt, Frieden zumachen, weder mit den Deutschen noch mit den Engländern: er wollte die Freiheit oder mit der Waffe in der Hand fallen. Dieser Tod hat ihn getroffen. Neben ihm lagen sein Gewehr, einige Hülsen und Patronen. Er hat diesen Soldatentod verdient, denn er hat auf seine Weise anständigen Orlog geführt.
Morenga und seine Bande war vernichtet, nur ganz wenige entkommen. Wir erfüllten noch die traurige Pflicht, unseren gefallenen Kameraden zu beerdigen; dann wurde in einer prachtvollen Mondscheinnacht der Marsch nach Upington angetreten.
Wenn auch das Abkommen von Ukamas vorn 23. Dezember 1906 dem Süden den langersehnten Frieden brachte, bedeutet doch der Tod Morengas im Grunde den Schluß des Orlogs im Süden; an diesem Schlußakt teilgenommen zu haben, ist eine unvergeßliche Erinnerung.
von dem Hagen,
ehem. im Generalstab der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika,
z. Zt. Hauptmann und Kompagniechef im Garde-Füsilier-Regiment.
* *
*