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unsere Kompagnie und die Pferde. — Erst spät gegen Mitternacht kamen wir, vom Kreuz des Südens geleitet, aber wie immer von Dornen zerrissen, im Lager von Osondjache an.
Müde sinken wir auf unser hartes Lager.
Verstümmelt.
Jedoch um 2 Uhr nachts wurden die Pferde schon wieder gesattelt. Herr Hauptmann von Fiedler rückt mit einem Geschütz und zwei Zügen aus. Die beiden gestern Gefundenen haben nämlich gemeldet, daß Leutnant Freiherr von Bodenhausen aus dem Rückritt plötzlich von einer großen Übermacht angegriffen worden ist. Nur durch ganz besonderes Glück wären sie beide entkommen und müßten für die übrige Patrouille das Schlimmste befürchten.
Stumm reiten wir durch die kalte Nacht. Ich bin bei der linken Seitenpatrouille. Mein Walter, den ich jetzt wieder reiten muß, strauchelt aber schon im Schritt, und trotz festen Aushaltens bin ich im Trab dreimal mit ihm gestürzt. Es geht nicht mehr so weiter im Busch; ich werde zur Nachspitze abgelöst. Stunde um Stunde verrinnt, bis wir am Vormittag eine Pad kreuzen, die die Spuren der vermißten Patrouille trägt, und bald darauf halten wir an einer Stelle, die uns wohl die grausamste Tat der teuflischen Bestien, unserer schwarzen Feinde, zeigt. Sechs nackte, weiße Leichen liegen vor uns, kaum kenntlich vor grauenhaften Schnitten und Verstümmlungen. Es ist der Leutnant Freiherr von Bodenhausen mit einigen seiner Leute. — Schrecklich! — Ihr könnt euch den entsetzlichen Anblick der armen Menschen nicht vorstellen. Nasen, Ohren und Lippen sind abgeschnitten, die Augen ausgestochen. Tiefe, blutige Schnitte entstellen den ganzen Körper. Blutige Knochenstummel zeigen die Stellen, wo sonst die Hände sitzen, und das Haar ist durch die Glut des brennenden Grases verkohlt.
Weiter suchen wir nach den anderen Kameraden. Alles um uns her ist, wie zur Trauer, durch den Brand schwarz gefärbt, einige Baumstümpfe glimmen noch. — 50 Schritte weiter, dem Waterberg zu, liegt ein angefressenes Pferd, — dort wieder ein Mensch.
Und wie ich, in Gedanken versunken, etwas abseits der anderen, allein suche, da fällt mir am Boden eine breite, blutige Spur auf. — Ich folge. — Nach 15 Schritten weist sie in ein dichteres Dornengebüsch, und auf der anderen Seite liegt wieder ein nackter Leichnam mit zwei leichten Schüssen, aber mit fast noch unkenntlicher und schrecklicher zugerichtetem Körper als die andern. — Einen Moment bleibe ich regungslos auf dem Pferde halten.
Ist nicht in den so von Kirrihieben entstellten Zügen irgend etwas Bekanntes, was mich mächtig ergreift?
„Übermorgen auf Wiederseht:!" klingt mir da Plötzlich der Abschiedsruf jenes netten, lustigen Reiters von vorgestern in der Erinnerung nach. — Wirklich, es ist Bosse; und dieser traurige Moment läßt sein letztes Wort so ganz anders in Erfüllung gehen,
N. tt.
„Tiefe, blutige Schnitte entstellen den ganzen Kürver."