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Richtung und fanden am Wege viele verdurstete Hereros und verendetes Vieh. Schon war unser Wasservorrat erschöpft und bemühten wir uns vergebens, eine Quelle zu finden. Als unser Zustand und der unserer Pferde bedenklich wurde, zog unser Führer von nur 4 Mann begleitet, die sich freiwillig gemeldet hatten, vorwärts, um für die Truppe Wasser zu suchen. Schon nach kurzer Zeit kamen zwei der Reiter zurück, da ihre Pferde zusammengebrochen waren. Lange Stunden des Wartens folgten; endlich sahen wir Hauptmann Klein heran- reiten. Wir sahen es schon — er hatte kein Wasser gefunden. 30 Kilometer war er noch in die Wüste vorgeritten, nur vou 2 Reitern begleitet, nirgends eine Spur von Leben — nirgends Aussicht, Wasser zu finden. Und nun sah er die Schrecken des Durstes vor sich — bei Mann und Roß! — — Wir traten den Rückmarsch an. Aber wie? Der Munitionswagen mit allem Entbehrlichen blieb stehen. Die Geschützmunition wurde vergraben, nur die Geschütze konnten noch bespannt werden. Schritt vor Schritt ging's zurück. Auf jedem Geschütz hingen 6—10 Mann. Ein Esel, ein Pferd nach dem andern fiel — blieb liegen oder wurde erstochen, und die Reiter tranken gierig das Blut. Bis 8 Uhr hatten wir 11 Kilometer zurückgelegt. Ich erhielt von Oberleutnant Nadrowski Erlaubnis, mit 4 Mann nach Oz-Ombu vorzureiten, um au der Wasserstelle Tee vorzubereiten. Nach einer Stunde hatte ich schon 2 Mann verloren. Die Pferde waren gefallen. Nur Gefreiter Krug und Kirsten: waren bei mir. Die ganze Nacht ging's weiter — zu Fuß — zu Pferde — abwechselnd. Am 29., um 8 Uhr morgens, kamen wir bei Oz-Ombu an. Aber — o Schrecken — die Wasserstelle war von Hereros besetzt — 30—40 Köpfe. Wasser war die Losung! Ohne Besinnen mit Hurra! die Karabiner abfeuernd — was die Pferde noch laufen konnten — ging's drauf los. Die Hereros gaben einige Schüsse — dann flohen sie, alles im Stich lassend. Die Täuschung war gelungen — wir hatten die Wasserstelle. Schon stand der brave Landwehrmann Krug in seinem schwarzen Vollbarte Posten auf einem Felsen. Die Pferde drängten zum Wasser. Aber mühsam schöpften wir — Kirstein unten, ich oben stehend — aus 20 Löchern einige Eimer. Die Hereros hatten ausgeschöpft. Dann wurde Tee gekocht. Mit dem Löffel nahmen wir die Maden und den Schmutz ab. Um 9 Uhr kam Hauptmann Klein mit Oberleutnant Freiherrn von Egloffstein und Oberleutnant Nadrowski. Sie fielen beinahe vom Pferde. Unser Trank half ihnen wieder auf. Nach und nach kamen einmal ein Mann, ein paar Esel, dann Leute in Strümpfen, zu Pferde und zu Fuß. Jeder bekam einen Kochgeschirrdeckel Tee.
Die Geschütze waren stehengeblieben. Mit den drei Protzen glich die Batterie einem Leichenzuge. Dann kam nur noch eine Protze vorwärts — und dann mußte auch die stehen bleiben —^).
Max Hirschmann,
ehem. Sergeant der 7. Batterie der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
i) Durch einen kurzen Satz aus dem Generalstabswerke (3. Heft, Seite 210) glaube ich diesen Abriß ergänzen zu müssen: „Sergeant Hirschmaun, Gefreiter Krug und zwei Mann der 7. Batterie legten in den Nächten zum 2. und 3. November nochmals die 80 Kilometer zu Fuß zurück und holten die stehen- gebliebenen Geschütze." (D. H.)
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Sergeant Hirschmann.