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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Reiter, die sich unserm Versteck näherten. Auf zehn Schritt ließen wir die harmlos plaudernden Hottentotten heran­kommen; dann krachte unsere wohlgezielte Salve, und die Feinde wälzten sich in ihren: Blute. Ein schneller Ausfall, und die Gewehre und die Munition waren unsere gute Beute. Gegen 1 Uhr nachmittags waren wir beschäftigt, eine in der Nähe befindliche Schanze einzureihen, um freieres Schuß­feld zu bekommen; doch kaum hatten wir unsere Arbeit voll­endet, als wir überraschend Feuer erhielten. Schnell wollte ich hinter den Mauern unsererFestung" Deckung suchen, als ich einen furchtbaren Ruck im linken Fuß verspürte; eine Kugel hatte mir das Fußgelenk zerschmettert. Die Kameraden Pohl und Stolze eilten sofort zurück und trugen mich unter dem heftigsten Schnellfeuer des Feindes in Deckung. Am Abend des 23. Mai machten sich die Kameraden Schicke und Kirchner auf den Weg, um nach Windhuk die Nach­richt von meiner Verwundung zu bringen. Vor unserer Feste lärmten die Hottentotten, riefen uns Spottnamen zu und schrien höhnischHurra". Einige Kameraden fertigten eine mannsgroße Puppe, setzten ihr eine eroberte weiße Mütze auf und banden das Machwerk außerhalb der Feste an eine Stange. Zu unserem größten Vergnügen überschütteten die Hottentotten die Puppe mit Feuer. Endlich, am 30. Mai, ertönten Trompetensignale; die Truppe nahte. Die Kameraden hatten also ihr Ziel glücklich erreicht. Nun bekam ich erst einen ordentlichen Verband; man bettete mich auf den mitgebrachten Wagen, und dann wurde der Rückmarsch angetreten. Es war ein schwieriger Transport. Mehrere Male wurden wir von den Hottentotten überfallen, und ich hatte zweimal das zweifelhafte Vergnügen, als Ziel­scheibe zu dienen, da mein Verband in der Nacht weithin sichtbar war. Bei diesen Gefechten tat sich besonders Unteroffizier König hervor, der im heftigsten Kugelregen die größte Kalt­blütigkeit bewahrte und sich als geschickter Führer bewies. Eines dieser Gefechte endete nur durch das unverhoffte Eintreffen einer Verstärkung aus Rehoboth zu unseren Gunsten. An: 7. Juni trafen wir endlich in Windhuk ein, wo ich im Lazarett aufs beste verpflegt wurde. Trotz aller Gefahren und Leiden denke ich doch mit Stolz an jene Tage zurück, die mir das von jedem so heiß erstrebte schwarzweiße Band brachten.

Hans Fischer,

ehem. Unteroffizier der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Pankow bei Berlin.

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Das Leben unserer Truppe im Feldes

Die Truppe kennt draußen nur das Biwak. Nur in größeren Stationen, wie Windhuk, Okahandja, Keetmanshoop, liegt sie in Kasernen oder unter Zelten.

0 In einer Anzahl von deutschen Städten hat Generalmajor von Deimling einen Vortrag gehalten, der beim deutschen Volke von großem Einfluß für das Verständnis des Kolonialkrieges und des Wertes der Kolonien werden sollte. Wenn für dieses Werk aus der kurzen und doch so bedeutungsvollen Ansprache ein Abschnitt ausgewählt wurde, der nur das Leben der Truppe und nicht den hervorragenden Führer selbst betrifft, so geschah dies, weil der Leser den Generalmajor selbst aus den Schilderungen der Mit- käiichfer im ruhmreichen Kriege genauer kennen und ehren lernt. (D. H.)

Umeroffizier Fischer.