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IV. Aussergewöhnliche Unterbauten.
Das heutige äusserst fruchtbare Zeeland, gegenwärtig von grossen Schifffahrtswegen durchkreuzt, konnte zu jener alten Zeit nur sumpfige Flussniederung der Gebiete der Schelde, der Maas und des Rheines sein, und war dieses Gebiet durch eine Dünenreihe vom Meere abgeschlossen und im Osten durch die diluvialen Hügel Nordbrabants begrenzt, an deren Fusse nach unseren heutigen geologischen Anschauungen sich zu jener alten Zeit die Schelde wand. Später von der ersten Niederlassung der Franken in dieser Gegend, also vor vier Jahrhunderten, unterlag die Dünenkette der Gewalt des Meeres, und zwar muthmasslich an der Stelle der jetzigen Mündung der Osterschelde.
In Folge der offenen Verbindung mit dem Meere wurde die Niederung vor den Dünen versandet, wodurch sich die ,, Schorren" ( Wiesengründe) bildeten, welche allmälig zu„ Poldern"( gesichertes Wohn- und Ackerland) eingedeicht wurden.
Heftige Wasserfluthen erweiterten das anfängliche Gerinne der Osterschelde zu einem grossen Meeresarme, welcher bekanntlich im XV. Jahrhunderte die wichtigste Wasserstrasse zwischen der grossen Handelsstadt Antwerpen und dem Meere bildete.
Einem ähnlichen Kampfe zwischen dem Meereswasser und dem Süsswasser entstammt die Westerschelde, und zwar nachweislich aus einer späteren Zeit, denn im XI. Jahrhunderte war die Westerschelde noch eine unbedeutende Rinne, welche erst durch die Wasserfluthen in dem Zeitraume zwischen dem XI. und dem XIV. Jahrhunderte zum breiten, tiefen Strome ausgefurcht wurde.
Bis zum Jahre 1530 scheint die Osterschelde ein regelmässiges, 1300 bis 1700 Meter breites Fahrwasser gewesen zu sein, welches erst durch die entsetzliche Wasserfluth jenes Jahres vernichtet, respective beeinträchtigt wurde, die den östlichsten Theil Südbevelands überströmte, welcher Theil in seinen früheren Grenzen bis heute noch nicht eingedämmt wurde.
Mit dem Jahre 1530 trat also der Wechsel im Schifffahrtsdienste zwischen der Oster- und der Westerschelde ein.