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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe 18, Section 2) ; Bericht : 1 / von Franz Rziha
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IV. Aussergewöhnliche Unterbauten.

Das Hochwasser an der Mündung der Osterschelde stand tiefer, als jenes bei Vlissingen in der Westerschelde; auch war der Weg des Wasserrückganges zwischen Zierikzee( Mündung der Osterschelde) und Bergen- op- Zoom ein kürzerer, als zwischen dieser letzteren Stelle und Vlissingen, entlang der Westerschelde, Die in der Osterschelde nächst Bergen- op- Zoom durch den früheren Abzug des Wassers trockengelegten Sandbänke wurden also durch das Fluthwasser der Westerschelde überströmt; es floss also das Westerschelde- Hochwasser zum Theile durch die Oster­schelde ab.

Erst in der dritten Stunde nach Hochwasser trat die Kenterzeit zwischen beiden Strömungen ein, und zwar meistens bei einem Stande von ungefähr 2 Meter unter der Neu- und Vollmondsfluthhöhe, also nachdem die Sandbänke bereits trocken lagen.

Den Beobachtungen und Berechnungen des internationalen Ausschusses zufolge, flossen in einer normalen Fluthzeit circa 321 Millionen Kubikmeter Wasser von der Wester- in die Oster­schelde, von welcher Wassermenge nur 11 Millionen Kubikmeter durch die Westerschelde zurückkehrten, so dass 21 Millionen Kubikmeter des Westerschelde- Fluthwassers durch die Oster­schelde dem Meere zuflossen, das heisst, dass der Westerschelder­Wasserstrasse dieses Wasserquantum entzogen wurde.

Diese Wasserbewegung führte nun zu der technischen Erörterung, ob sie die Schifffahrtsverhältnisse der Westerschelde verbessere oder verschlechtere, und man darf bei der internationalen Erörterung dieser Frage niemals aus dem Auge ver­lieren, dass die belgische Regierung aus Gründen für Antwerpen Vlissingen scheel ansehen und ihre Forçe in der Osterschelde suchen musste und für deren Beeinträchtigung, wenn auch kein streng­sachliches, so doch ein bestehendes Motiv in dem Beveland­canale fand.

Die niederländischen Ingenieure traten nun für die Herstellung eines Eisenbahndammes, respective der Abdämmung bei Bath ein und behaupteten, dass diese Abdämmung dem Fahrwasser der Westerschelde günstiger sein müsse, weil ihr damit 21,000.000 Kubikmeter jeweiliges Fluthwasser bewahrt bleiben und demnach ein höherer Wasserstand zukomme.