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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Während an allen anderen Küsten des Schwarzen Weltteils bereits blühende Städte und verkehrsreiche Häfen entstanden, lagen in unserm heutigen Schutzgebiet die Rivalen die Schwarzen und die Roten in fortdauerndem, verheerendem Kampfe. Das Land schien von der Kultur vergessen.

Wohl betraten auch schon weiße Händler das Land, ehe es eine Schutzmacht über sich fühlte, und versorgten die kämpfenden Parteien im vorteilhaften Tauschhandel mit Feuerwaffen, aber als Kulturbringer konnte man sie nicht betrachten. Es diente das Feuerrohr den Roten Jonkheer Afrikaner nannte sich ihr tapferer Kapitän, die Hereros zurückzuwerfen bis weit hinein in ihr Gebiet. Diese ziehen teilweise bis an die Salzpfanne Etosha. in deren Umgebung der Stamm der

Ovambos

herrschte und noch lebt, ein Stamm der Schwarzen, der sich am Kriege gegen uns Deutsche nicht beteiligte.

Erst im Januar 1863 gelang es den inzwischen besser bewaffneten Hereros, die Macht der Hottentotten im Verzweiflungskampfe von Otjimbingue zu brechen. Noch war aber der beide Stämme vernichtende Krieg nicht beendet, als

deutsche Männer

in das heutige Schutzgebiet vordrangen Missionare von Barmen-Elberfeld, die bald einen gewissen Einfluß gewannen. Das Christentum fand, besonders bei den Hottentotten, Aufnahme, aber der Krieg dauerte fort. Den Missionaren folgten Jäger, Forschungsreisende, Abenteurer, vor allem Händler, die auf schwerfälligen Fuhrwerken ihre Waren Waffen, Pulver, Blei, Branntwein von einem Stamme, von einer Werft zur andern führten, keine Gefahr scheuend, aber reichen Gewinnes sicher. Aber die Waren brachten Verderben in das Land. Mit Elfen­bein, Fellen, Rindern und Gehörnen kehrten die Händler über den Oranje zurück.

Erst 1863 entstand inOtjimbingue imDamaralande, anschließend an dieMissionsstation,

die erste deutsche Niederlassung.

Aber ein Einfluß Deutschlands sollte erst im Jahre 1884 zur Geltung kommen, als das Deutsche Reich das gesamte Gebiet zwischen Kunene und Oranje unter seinen Schutz stellte und damit auch die weiten Ländererwerbungen, die der Bremer Kaufmann Lüderitz im Hinterlande von Angra Pequena jetzt Lüderitzbucht dem einzigen verwertbaren Hafen unserer Küste in den vorangehenden Jahren gemacht hatte.

Als erster deutscher Reichslommissar

betrat jetzt der Landeshauptmann Dr. Goering das Schutzgebiet, doch, ohne Machtmittel, ge­lang es ihm nicht, den Frieden zwischen Hottentotten und Hereros herzustellen.

Erst 1888, als sein Nachfolger,

Hauptmann von Franyois,

in Begleitung seines Bruders mit einer kleinen Schutztruppe eintraf, machte sich der deutsche Einfluß fühlbar, wenn auch ein direktes Eingreifen gegen die gegebenen Weisungen war und bei nur 50 Gewehren untunlich blieb. Aber von Fran^ois schuf seiner kleinen Macht in den Festen von Wilhelmsfeste und Groß-Windhuk doch die erforderlichen Stützpunkte. Er wurde von den Streitenden respektiert und gab sich die äußerste Mühe, einen Vergleich herzu­stellen. Das sollte ihm endlich 1892 gelingen. Er bewog den begabten, energischen Führer der Hottentotten, Hendrik Witbooi, und den Oberkapitän der Hereros, Samuel Maharero, einen

Frieden zu schließen.

Die ersehnte Ruhe trat ein, aber Franks erkannte rechtzeitig den Zweck und die Absichten der beiden Oberkapitäne beim Friedensschluß und tat sofort die erforderlichen Schritte, um demnächst

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