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Feucrgefecht mehr zuließ, mußte das Bajonett entscheiden und konnte uns nur Sieg oder Untergang bringen.
In der Nacht begab ich mich zu den Ochsenwagen, um nach den Verwundeten zu sehen und für meine Leute irgend etwas Genießbares zu erhalten. Mit großer Mühe gelangte ich durch den dichten Busch endlich an den richtigen Platz. Doch wie sah es hier aus!
Die Ochsenwagen waren dicht zusammengefahren, die Tiere davon zum größten Teil totgeschossen oder infolge des Durstes verendet. Ein pestilenzartiger Geruch von verwesendem Fleisch erschwerte das Atmen und raubte uns fast die Besinnung. Über mehrere Kadaver stolpernd, gelangte ich zu den Verwundeten, die unter und neben den Wagen lagen. Über 50 waren hier dicht nebeneinander untergebracht. In das Brüllen der voin Durst gepeinigten, noch lebenden Tiere mischte sich das Stöhnen und Wimmern der Verwundeten sowie das Schreien der Wahnsinnigen und Tobsüchtigen. Dazwischen schlugen des öfteren einzelne Geschosse in die Wagen, deren weißes Zeltdach wohl für die Hottentotten sichtbar war. Hier schien keine Hoffnung mehr vorhanden zu sein! Jeder hatte neben sich den gespannten Revolver oder Karabiner liegen, um sich bei dem zu erwartenden letzten Angriff der Witboois das Leben nehmen zu können. Einzelne richteten sich bei meinem Herankommen auf und flehten um Wasser, doch leider hatte ich ja selbst nichts. Mancher der Verwundeten starb in dieser Nacht. Die Toten wurden sofort neben den Wagen ohne weitere Zeremonie begraben. Die unermüdlich tätigen Ärzte konnten die Qualen und Leiden nur wenig mildern, da das Nötigste, das Wasser,
fehlte. Von meiner Batterie fand ich 15 Mann verwundet, etwa zehn vollständig besinnungslos vor, drei Offiziere und vier Mann waren bereits begraben worden. Bei einem Ochsenwagen fand ich den Divisionspfarrer Schmidt zwischen den Verwundeten, der mir, obgleich selbst furchtbar unter dem Durst leidend, für meine Leute einen halb gefüllten Wasfersack gab.
Auf dem linken Flügel der Ochsenwagen standen die beiden zurückgezogenen Geschütze mit einem Mnnitionswagen, von denen das eine seine ganze Bespannung, einschließlich Geschützführerpferd elf Tiere, verloren hatte; diese waren sämtlich beim Einfahren in die Stellung gefallen. Das andere Geschütz sowie der Munitionswagen hatten etwa die Hälfte der Tiere behalten. Die vorhandene Munition wurde an die Geschütze verteilt und die Leute wie Bespannung, so gut es ging, geordnet. Mit dem Vorgehen in die Front mußte jedoch bis zum Morgen gewartet werden, da jetzt bei der völligen Finsternis eine Orientierung im Busch unmöglich war. Ein Mann trat mir die Hälfte seines Woilachs ab, so daß ich mich durch einen zweistündigen Schlaf stärken konnte. Nachdem mich ein Kanonier durch elf Backpflaumen, die erste Nahrung seit über zwei Tagen, erfreut hatte, brachte ich gegen 4 Uhr morgens den ersten Zug wieder in Stellung, wo ich Wasser und Pflaumen redlich mit meinen Leuten teilte.
Dann begann das Feuer von neuem, wenn auch nicht so heftig wie an den Tagen vorher-
Leutnant Rath.