Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen

202

für den Abmarsch zum 10. Dezember zu treffen. Die Patrouille sollte zu Fuß ausgeführt werden; der nötige Proviant und einige Decken sowie Kochgeschirre wurden auf einem Esel mitgeführt.

Nach Sonnenuntergang rückten wir ab, 24 Mann stark, unter Führung des vor­genannten Offiziers, nicht ahnend, daß uns unheilvolle, nie aus meinem Gedächtnis schwindende, aber ehrenvolle Tage bevorstanden.

Zwei Buren, die den Weg am Oranjerivier kannten, dienten als Pfadfinder, und diese sollten uns sehr dienlich werden in den zerklüfteten Oranjerivierbergen. Alte verwehte Vieh­spuren führten am Flusse entlang; frische Spuren waren nur spärlich zu beobachten, und so war es schwer für uns, den Weg zu finden, der uns nach dem Verstecke des Feindes führen konnte.

III.

Die Buren finden den Lagerplatz des Feindes.

Die beiden Buren erboten sich freiwillig wie überhaupt diese Leute im ganzen Aufstande sich überaus deutschfreundlich gesinnt gezeigt hatten, am jenseitigen Ufer auf eng­lischem Gebiete Erkundigungen von den zerstreut umherwohnenden Hotteutottenfamilien aus­zuhorchen und versicherten, unserem Führer auf diese Weise wichtige Aufklärungen zu machen. Der Vorschlag wurde angenommen. Die Buren verließen uns bei einer Furt und überschritten das Flußbett, uns führte der überaus sandige Weg am Oranjerivier weiter bis zu einer Stelle, die uns von den beiden Buren als Lagerplatz bezeichnet worden war. Hier wurde gerastet und abgekocht, und hier sollten wir auf die Rückkunft der von uns ausgesandten Spione warten.

Es war am 11. Dezember 1903, gegen Mittag, als ich von dem ausgestellten Posten auf zwei unserem Lager zueilende Menschen aufmerksam gemacht wurde, deren Gang kriechend und vorsichtig schleichend war. Am Ufer nahm ich sie schon in Empfang und geleitete sie zu unserem Führer, Herrn Oberleutnant Böttlin. Sie erzählten nun in ihrer holländischen Sprache feurig und begeistert, daß sie von einer erhöhten Aussicht aus in der verflossenen Nacht in einer Schlucht, die höchstens zwei Stunden von hier entfernt gelegen sei, mehrere Feuerscheine gesehen hätten. Wildes Feuer sprühte aus ihren Augen, Haß verzerrte ihre Gesichter, und sie beteuerten fest:Dies und kein anderer ist der Lagerplatz des Feindes!" was ihnen auch eine angetroffene Hottentottenfrau bestätigt hatte. Der Entschluß unseres Führers war schnell gefaßt.

Die Werst, die schwach besetzt sein sollte, mußte ausgenommen werden. Das Vieh, das in Unmengen vorhanden sein sollte, mußte unsere Beute werden. Wie begeistert und wie kampfesmutig nahmen unsere Soldaten diesen soeben von mir weitergegebenen Befehl auf, und am liebsten hätte sich alles gleich aufgemacht und sich dem Feinde entgegengeworfen.

Gegen Abend des 11. Dezember wurde aufgebrochen, vorsichtig den Pfad suchend, immer am Oranjerivier entlang. Es war gegen 2 Uhr nachts, als wir bei einer Stelle am Fluß anlangten, die das Vorwärtskommen unseres Packesels hinderte. Dieser mußte hier zurück­bleiben, und nun krochen wir förmlich weiter, jeden Schritt vorsichtig wählend, da wir in der Nähe der ausspionierten Werft sein mußten. Ich, als Führer der Spitze, halte Plötzlich an. Ich höre Hundegebell, und schnell verschwinden wir hinter einem vor uns liegenden und uns deckenden Hügel. Alles lauscht. Leise ertönt noch einige Male in die Nacht hinein das Bellen des Hundes, doch allmählich verstummt auch dieses, und wir sitzen noch immer in Deckung, angespannt auf jedes Geräusch lauschend. Mein Führer ruft mich heran, erteilt kurze Befehle, die ich weitergeben soll, und nachdem ich die Mannschaften gefechtsbereit gemacht und für das Vor­gehen vorbereitet hatte, brachen wir um 4 Uhr des 12. Dezember aus unserem Versteck zum Angriff auf. Wir rückten auf die Werft los. Unser Schnellfeuer prasselte zwischen die Pontoks, und völlig überrascht flüchtete der Feind aus seinen notdürftig aufgebauten Grashäusern. Im Sturmschritt und mit weithin schmetterndem, brausendem deutschen Hurrageschrei wurde das