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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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bald eines plötzlich verschwand. Um diesem Übelstand abzuhelfen, wurde beschlossen, einen Reiter bei dem Pferdekral schlafen zu lassen, und als Wohnung wollten wir eine am Kral in den Klippen befindliche Höhle einrichten. Als wir aber gerade dabei waren, die Höhle aus­zuräumen, schoß Plötzlich eine riesige Puffotter, eins der giftigsten Reptilien dieses Landes, aus dem Dunkel heraus auf uns zu, uns wütend anzischend. Ehe wir uns von dem ersten Schreck erholen konnten, eilte das Tier an uns vorbei und verschwand in den Klippen-

Wir waren durch das unerwartete Erscheinen dieser Schlange sehr erschrocken, und ein Grauen vor derSchlangenhöhle" hatte alle erfaßt. Auf die Frage:Wer will denn nun freiwillig in der Höhle wohnen?" erfolgte keine Antwort, verlegen sahen die meisten zu Boden; der Gedanke, daß die Schlange in ihr Heim zurückkehren würde, war jedem, zumal unter dem Eindruck des eben erhaltenen Schreckens, zu unheimlich.

Da trat der Reiter Nagele vor, nahm stillschweigend seine Sachen und legte sie in die Höhle. Er hatte mannhaft das Grauen, welches alle ergriffen hatte, überwunden und wohnte fortan als Pferdewächter in der Höhle am Kral. Von der Schlange aber hat man niemals mehr etwas gesehen.

Den die Schlange verschonte, schonte der tückische Tod nicht. Auf Patrouille bei Veldschuhhorn schwer erkrankt, hielt er sich mit eiserner Energie aufrecht. Fiebernd brachte er noch Meldung nach Naiams zurück, dann brach er zusammen, und jetzt kündet ein einfaches Kreuz auf dem Friedhofe zu Keetmannshoop, daß hier ein tapferer Mann ruht, der den Tod fürs Vaterland fand.

II.

Der Kamerad.

Einsam floß das Leben auf der Station Brakwater dahin, ab und zu allerdings unterbrochen durch den Besuch durchreisender Offiziere, die entweder ins Innere gingen, oder, heimgesandt, der Küste zustrebten. Da gab es dann wieder Nachricht, entweder vom Orlog oder von der Heimat; man freundete sich schnell an, und die Stunden verflogen im kamerad­schaftlichen Gespräch.

Welche Freude aber war es, wenn man gar einen alten Bekannten nach langer Trennung wiedersah! So jubelte ich auf, als mir ein durch­kommender Relaisreiter einen Zettel überbrachte mit der Nachricht, daß mein alter Freund und Regimentskamerad, von Brederlow, in den nächsten Tagen bei mir eintreffen müßte; er sei krank, auf der Heimreise begriffen und liege in einem Ochsenwagen im Gusibrivier, eine Tage­reise von Brakwater.

Schnell war mein Pferd gesattelt, mein Bursche begleitete mich, und ich ritt dem Gusib­rivier zu, zugleich das Angenehme mit dem Nütz­lichen verbindend, indem ich die Herden revidierte, die nachlässigen Buren beim Trecken beobachtete und, wo es not tat, auf den Schwung brachte. Als die Sonne sank, erreichte ich das Rivier, wo an einem eben neu gegrabenen Brunnen einige Ochsen­wagen standen. Ich ritt heran und sprang vom

Leutnants von Brederlow und Götz von Olenhusen.