— 255 —
tränkten unsere Pferde oder Mulis und kletterten dann auf der entgegengesetzten Seite die Wand wieder hinauf. Oben angekommen, erblickten wir in nicht weiter Entfernung etliche Männer an einem Dornenstrauche stehen; sie sahen uns nicht sogleich; aber es mochten kaum zwei Minuten vergangen sein, als sie uns gewahr wurden. Wir alle waren in der festen Meinung, wir hätten die andere Patrouille vor uns; es kam aber bald anders. Wir ritten vorsichtig, Gewehr im Arm, in die Flanke der vermeintlichen Patrouille, so daß wir sie genau gegenüber hatten. Bald bemerkten wir, daß die anderen kriechend ausschwärmten und sich uns näherten. Das vollzog sich ganz genau so, wie es bei uns gehandhabt wird. Wir waren immer noch zu Pferde. Auf unser Anrufen kam keine Antwort. Da befahl der Sergeant Hoffmann in Betracht unserer kleinen Stärke: „Um kehrt, marsch, Galopp!" Doch kaum hatten wir den nächsten Hügel erreicht, da hieß es wieder: „Um kehrt, marsch! Auf den Feind!"; denn ein anderer Ausweg blieb uns des Geländes wegen nicht offen. Als wir nun den Berg erklommen hatten und an den zurückgelassenen Töpfen ersehen konnten, daß wir Hottentotten vor uns hatten, gingen wir einfach drauf, was die Riemen halten wollten und rannten nieder, was wir noch erreichen konnten. Alles floh — es fiel kaum noch ein Schuß. Wie es sich an den folgenden Tagen herausstellte, hatten wir einen uns stark überlegenen Feind vor uns gehabt, welcher der Maschinengewehr-Abteilung auch noch Verluste beigebracht hatte. Nur unser kühnes Draufgehen hatte sie irregeführt; denn höchst wahrscheinlich hatten sie sich gedacht, wir wären die Spitze einer Kompagnie. Wir ritten nun zurück zur Station Hanaus, wo wir auch die andere Patrouille antrafen. Am andern Tage nahmen wir die Verfolgung auf Befehl des Herrn Majors von Estorff wieder auf. Die Leute von der Etappe, die an der Patrouille teilnahmen, hatten für einen Tag Proviant mit, wir für drei Tage. Wir teilten dann unseren Proviant und ritten noch bis zum Schwarzrand, mußten aber notgedrungen umkehren; denn nun kamen wir in ein Gelände, wo wir drei Tage lang kein Wasser fanden, und die Kost war auch verzehrt.
Max Augustin,
ehem. Reiter der Kaiscrl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Sachsenhausen.
*
4 -
*
Der Kamps um die Wasserstelle Tsannarob.
Wir hatten am 13. April 1905, nachdem wir die ganze Nacht geritten waren, morgens gegen 5 Uhr den Packriem (Fluß) erreicht. Das war ein bei den Hottentotten, wegen des klüftigen Geländes, sehr beliebter Ort, wo sie schon manchen ahnungslosen braven deutschen Reiter abgeschossen und des Gewehrs, der Patronen und auch der Kleidung beraubt hatten. Leutnant Wendlandt gab der Spitze den Befehl, unter Führung des Oberveterinärs Hagemeier vorzureiten, um die Wasserstelle zu suchen.
Da die Nacht erheblich kalt war, ritten wir im scharfen Trab vor, um uns dadurch ein wenig zu erwärmen.
So waren wir ungefähr zwei bis drei Kilometer vorgeritten, als wir von weitem grüne Bäume sahen, ein Zeichen, daß dort Wasser sein mußte. Unter den Bäumen
Reitcr Artur Burgemcistcr.