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Gefreiter Pnul Kretschmer.
als linker Flügelmann unserer Schützenlinie, nach einstündigem Gefecht Weichteilschüsse in den rechten Ober-- und Unterschenkel, den linken Ober- und Unterarm erhielt. Ich schoß aber trotzdem weiter, da wegen der geringen Zahl unserseits jedes Gewehr erforderlich war, um uns die Schwarzen vom Leibe zu halten. Ein Knochenschuß in den linken Oberschenkel machte mich kampfunfähig. Nun war auch bereits die 7. Batterie unter Oberleutnant von Bredow eingetroffen, mit deren Hilfe wir nun den Feind in die Flucht schlugen. Leider konnten wir ihn nicht weiter verfolgen, da wir schon 90 Kilometer von der nächsten Wasserstelle entfernt waren. Der Transport war grausig schmerzhaft, aber noch schlimmer der Durst, bis uns endlich ein Wasserwagen vom Auobflusse entgegen kam. Freilich, bis ich dann in die Pflege des Lazaretts kam, vergingen noch schlimme Tage. Später erhielt ich das Militärehrenzeichen 2. Klasse.
Paul Kretschmer,
chem. Gefreiter der 1. Kompagnie 2. Feldregiments der Kaiser!.
Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Liegnitz.
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Tom.
Er war nur ein armer Bcrgdamara. Als Kind kam er in den Dienst des berühmten schwedischen Jägers Axel Ericson, der ihn mit aus seine Jagdzüge nahm. Da lernte Tom auf schnellem Pferde den flüchtigen Strauß hetzen, er lernte der Fährte des Elefanten folgen, der damals noch weite Strecken Südwestafrikas bewohnte, und er verstand die scheue Antilope zu beschleichen und mit wohlgezieltcm Schusse niederzustrecken.
Später heiratete er und wohnte mit seiner Familie an einer Wasserstelle nördlich Grootfontein. Er hütete dort sein weniges Vieh, baute etwas Tabak, Mais und Kürbis und schoß wohl auch vcrbotenermeise einen Stranßenhahn, dessen Federn er mit gutem Nutzen an die Reiter der Schutztruppe verkaufte.
Als ich Distriktschef von Grootfontein wurde, sagte mir mein Vorgänger, Leutnant Eggers: „Da ist der Tom, der ist treu wie Gold, er kennt jeden Weg und Steg, beherrscht alle Sprachen der Eingeborenen und ist der beste Jäger weit und breit."
Das habe ich mir gemerkt, und selten habe ich eine Expedition unternommen, ohne daß Tom als Führer und Dolmetscher mitging. So war ich mit wenigen Reitern zum Oka- vangoflusse geritten. Hier hatten die räuberischen Owakwangari die Niederlassung der Oblatenmission überfallen, beraubt, und die Missionare vertrieben. Wir lagen, durch den Fluß getrennt, der starkverschanzten feindlichen Werft gegenüber, ein heftiges Gefecht war seit dem frühen Morgen im Gange. Spät abends wurde das Feuer des Gegners schwächer und verstummte schließlich ganz. Plötzlich hörte ich ein lautes Schreien. Da stand Tom auf einer kleinen Anhöhe und beschimpfte die Feinde drüben in der Werft; er schimpfte, wie ich es selten im Leben gehört habe, den rechten Arm hoch erhoben, die Faust geballt.
Ich verstand die Worte nicht, aber sie müssen nicht schön gewesen sein; denn jeder Ausbruch von Tom wurde von den feindlichen Owakwangari mit wahrem Wutgeheul und erneutem Feuern beantwortet. Mit Mühe beruhigte ich ihn, der durchaus durch den