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Die Gefangenen mitnehmend, schlagen wir jetzt wieder die Richtung nach Okat- jekuri ein.
Noch sind wir aber nicht aus dem Busch heraus, als vor uns und links von uns auf nahe Entfernung größere Hererotrupps, teils bewaffnet, teils unbewaffnet, auftauchten. Aus diesem Wurstkessel mußten wir heraus. Die Meldung über die Anwesenheit so vieler Hereros war jedensalls wichtiger, als die paar schmutzigen Gefangenen. Totschießen konnten wir sie nicht, ohne alle anderen auf uns zu locken. Wir waren daher gnädig und ließen sie laufen, trabten, so gut es ging, wieder nach rechts ab und gelangten nach einiger Zeit auf freies Feld. Nach eineinhalbstündigem Ritt kamen wir wohlbehalten bei Leutnant Klinger an, und ich meldete ihm mein Zusammentreffen mit den Hereros.
Um 3 Uhr nachmittags trat ich mit dem Hottentotten und begleitet vom Leutnant Klinger den Rückmarsch an. Die Hereros hatten das Gras angezündet und waren abgezogen. Jedoch gelang es uns, einen einzelnen Herero Anzufangen, von dem wir, da er Deutsch sprechen konnte, sehr viel Wichtiges erfuhren.
Abends 8 Uhr gelangte ich mit meinen beiden Begleitern und zwei Gefangenen wohlbehalten in Sturmfeld an.
Für mein Benehmen in der Gefahr wurde ich zum Militärehrenzeichen 2. Klasse eingegeben, die beiden Reiter belobt.
H. Schütt,
ehcm. Sergeant der 2. Kompagnie 2. Feldregimcnts der Kaiferl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
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-k-
„Immer mit frischem Mut!"
Das war die Parole, mit der wir am 17. August 1904 westafrikauischen Boden betraten, und — das blieb sie auch, wie das meine kurzen Schilderungen zeigen werden — selbst dann, wenn's arg ungemütlich wurde, da unten im Innern des deutschen Afrika.
Bon Swakopmund bis Okahandja waren elf Marschtage. Sand, Klippen, Hitze, hier und da Dornbusch; und das Wasser obendrein mit salzigem Beigeschmack. Am 20. September langten wir im Kriegsgebiet bei der 10. Kompagnie 1. Feldregiments an und unternahmen von Otjosondjo aus den ersten Patrouillenritt. Am 24. September hatten wir bei der Wasserstelle Epata den ersten Kampf mit Hererokriegern. Mit aufgepflanztem Seitengewehr und „Hurra!" jagten wir den Feind in die Flucht und 1200 Stück Vieh war die Beute. Ich führte als Reiter selbständig einen Transport von 600 Stück nach Otjinene —, immer mit frischem Mut!
Am 6. November, 20 Kilometer südlich Otjosondjo, machte ich im Gefecht meine ersten Gefangenen.
Am 8. Dezember 1904 galt es, Wasser zu suchen; 75 Kilometer durch tiefen Sand, ohne Weg; zum Überfluß erkrankte unterwegs mein treues Streitroß. Ich führte es, der Patrouille folgend, ungefähr 15 Kilomerer am Zügel — dann — Durst. Ich dachte an den Vers: „Bald mußte der Reiter die Mähre tragen!" Bei der Ankunft an der Wasserstelle — kein Wasser! Kaum brachte die trockene Zunge über die Lippen: „Immer mit frischem Mut!" Aber etwas half der Selbstzuspruch doch. Um 12 Uhr mittags kam ich au; um 4 Uhr ging die Reise wieder los. lT/z Tag schon ohne Wasser, und beim Laufen durstet man mehr als beim Reiten. Tann — legte sich mein armes Tier bald hin — ich blieb bei ihm, bis es sein Leben aufgab. Rings endlose Öde — Sand — Felsen — Dornen. Also weiter auf Schusters Rappen. Ich war der letzte — hinter mir die Wüste — die Patrouille weit voraus; „— mit - —