Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
332
Einzelbild herunterladen

332

daß die Hottentotten von unserm Herannahen zeitig in Kenntnis gesetzt seien und darum versuchen würden, uns durch wenige entgegengeschickte Leute in ein Gefecht zu verwickeln, um uns dadurch von einer unmittelbaren Hilfeleistung für die bedrohten Wagen abzuhalten, ordnete ich an, daß auf den ersten Schuß hin sich die gesamte Abteilung, laut und andauerndHnrwa, 5. Batterie!" rufend, in Galopp zu setzen habe. 10,16 Uhr abends, zirka acht Kilometer von Zwartfontein entfernt, wurde die Spitze vom rechten Rivierrande aus stark beschossen; die Abteilung setzte sich instruktions­gemäß, laut Hurra rufend, in Galopp und passierte unversehrt den Feuerbereich des Feindes. Unmittelbar danach erhielten Sergeant Rupprecht und Sergeant Latisch mit drei Reitern den Auftrag, im Rivier sprungweise, Hurra rufend, vorzugehen, während ich mit fünf Reitern auf dem westlichen Plateau, gleichfalls Hurra rufend, nach dem Eselwagen hingaloppierte. Nach wenigen hundert Metern tönte uns einHurra! Viktoria!" entgegen. Trotzdem ritt ich nicht sofort ins Rivier hinunter, sondern schickte erst einen Späher aus, um mit Sicherheit festzustellen, ob dieser Ruf nicht eine von den Hottentotten schon mehrfach angewendete Falle bedeute. Wir sahen noch einige Hottentotten im ungewissen Lichte des Mondes in den Büschen verschwinden, im übrigen aber hatte sich der Feind uns gegenüber nicht bemerkbar gemacht. Über seine Stärke vermag ich aus eigner Anschauung nur anzugeben, daß ich die im Rivier vor­gelagerten Hottentotten auf höchstens acht bis zehn Gewehre geschätzt habe, die allerdings durch ausgiebiges Schnellfeuer vermutlich den Eindruck einer größeren Anzahl zu erwecken gedachten. Die Blenge der um den Eselwngen selbst liegenden Hottentotten wird von dein Sergeant Simon, dem Führer der Kolonne, und auch anderen auf 40 bis 60 Gewehre geschützt, eine Ansicht, die sie damit beweisen zu können glauben, daß eine geringere Anzahl unmöglich die beiden Rivierränder und auch das Rivier selbst in so ausgedehntem Maße hätte besetzen können. Da vom Feinde

nichts mehr zu sehen war, ließ ich drei Maultiere von der Patrouille an Stelle der erschossenen fünf Esel einspannen und fuhr mit den nötigen Sicherheitsmaßregeln nach Gochas zurück. Verluste beim Überfall: Unteroffizier Pytlik, Schuß durch den linken Fuß, fünf Esel, zwei Pferde tot. Die Anzahl der verwundeten Pferde und Maultiere konnte bis jetzt nicht festgestellt werden, da sie von den Pferdehaltern größtenteils nach Zwartfontein zurückgebracht worden sind.

gez. von Wolf,

ehem. Hauptmann der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Sndwestasrika.

Der Bericht des Kommandeurs in Gochas.

Anbei die Meldung des Hauptmanns von Wolf über seinen Patrouillenritt am 13. Oktober 1905, abends, anläßlich des Überfalls eines Eselmagens durch Hottentotten bei Zwart­fontein: Gochas war zur Zeit sehr schwach besetzt, die 3. Kompagnie in Haruchas. Der Patrouillenritt stellt sich als eine besonders kühne und erfolgreiche Tat dar. Der Feind wurde durch den Hauptmann von Hornhardt der 3. Kom­pagnie, welcher dann die Verfolgung aufnahm, nach den Spuren auf 60 Blaun geschützt.

Gochas, den 15. Oktober 1906.

gez. von Estorff.

* *

*

Hau-tmann Hans Hoinnch »>>» Wvtf.