Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
370
Einzelbild herunterladen

370

zwar, aber wir halfen doch nur. Das ist im Kriege so über dem Sieg vergißt man die Trauer wegen der Helden, die ihn mit ihrem Blute bezahlten. Aber nur für den Augenblick.

Erst ein paar Tage später erfuhren wir, daß der alte Urseind, einst unser gefähr­lichster Gegner, an den erhaltenen Wunden schon nach einer Stunde gestorben sei. Er war ein treuloser Charakter, aber ein tapferer Krieger!"

Wilhelm Preiser,

ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika.

Zu zweien im Feuer von 130 Gewehren.

8. Dezember 1905.

Es war am 6. Dezember 1906, vier Uhr nachmittags, als wir, die 5. Kompagnie und 2. Kompagnie 2. Feldregiments, in südöstlicher Richtung auf die kleine Wasserstelle Eliaskluft zu­ritten; dort wurde getränkt, und dann ging es wieder weiter auf die Wasserstelle Aub zu. Ober­leutnant von Wittenburg war mein Kompagnieführer. Rittmeister Haegele führte das Detachement. Am 7. Dezember, früh 3 Uhr, machten wir halt, ließen die Pferde bis 6 Uhr morgens weiden, um dann nochmals zwei Stunden zu reiten. Jetzt mußten wir ruhen, schon unserer Pferde wegen; denn die armen Tiere waren ganz müde und machten teilweise schlapp. Wir waren ziemlich nahe an den Aub herangekommen, fanden aber im ganzen Umkreis keinen Tropfen zu trinken, bis wir eine gute Stunde vom Lagerplatz in einen: Rivier (Tal) durch Scharren und Graben endlich auf ganz wenig Wasser stießen. Es langte gerade zu, um unsere und die 2. Kompagnie vor großem Durst zu bewahren. Mittags 1 Uhr zogen drei Mann, Pärtsch (Württemberger), Gebauer (Bayer) und ich (ein Sachse), auf Außenwache, ungefähr einen Kilometer von den Kompagnien, auf eine kleine Anhöhe, einen Ausläufer der Howesis- berge, wo wir ein paar Klippen aufeinanderlegten und uns oben drauf stellten das heißt ein Mann immer zwei Stunden lang und Wache hielten. So verging die Nacht vom 7. zum 8. Dezember. Die Kompagnien schliefen, während wir getreu wachten. Plötzlich hörte unser Kamerad Pärtsch, der gerade seine zwei Stunden wegschraubte, wie einige Hottentotten quatschten. Sofort lief Kamerad Gebauer zur Kompagnie und alarmierte. Das sahen aber die Hottentotten und wollten das Melden jedenfalls verhindern, denn sie gaben ein mörderisches Feuer auf uns zwei Mann ab. Doch Gebauer hatte trotz des Feuers seine Meldung der Kom­pagnie überbracht. Während dieser Zeit hatten wir beide den Feind aufzuhalten, was natür­lich leichter zu schreiben als auszuführen ist. Geschossen haben wir, was aus der Flinte heraus konnte, um bloß die schwarzen Feinde nicht heranzulassen. Das hatte ungefähr fünf Minuten gedauert, als der erste Zug von unserer Kompagnie ausgeschwärmt ankam und das Feuer der Feinde von uns ablenkte. Da atmeten wir etwas freier auf; denn ein Wunder war es, daß wir noch lebten, wenn man bedenkt, daß 100 bis 130 Gewehre auf zwei neben- einauderliegende Reiter gerichtet waren. Die übrigen Reiter von meiner und der 2. Kom­pagnie, zusammen 55 Gewehre stark, griffen mit Erfolg von der rechten und linken Flanke an, bis der Feind gegen 11 Uhr das Feld räumte. Die Verfolgung wurde aufgenommen. Wir blieben aber immer mehr und mehr, der schlappen Pferde wegen, zurück, bis wir die Verfolgung aufgaben. Einen Denkzettel habe ich aber doch bekommen. In dem Augenblick, als ich auf einen Strauch, hinter dem etliche Feinde lagen, schoß, riß mir eine feindliche Kugel ein Loch in den rechten Arm. Ich konnte aber immer noch schießen, natürlich links.

Mein Nebenmann, Kamerad Pärtsch, ging unversehrt aus dem Kampfe hervor. Das ganze Gefecht dauerte von früh 6 bis vormittags 11 Uhr. Unteroffizier Overweg war