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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Sandfeld er­reichten. Abends hatten wir die 60 Kilometer weite Strecke zurückgelegt.

Hier wurde nur nachts mit der Lampe gear­beitet; denn die Gegeustationen waren auf hohen Bäumen ange­bracht, und eS war daher un­möglich, den Heliographen zu verwenden, weil

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den Bewegungen

der in den höchsten Ästen des Baumes errichteten Plattformen dieses verhinderten. Der ganze Telegrammverkehr drängte sich daher auf die Nacht zusammen, die auch vollständig in Anspruch genommen werden mußte, zumal es die einzige Verbindung zwischen den operierenden Truppen und den Etappen war. Mittags jeden Tages wurden die Pferde, welche in der Nähe weideten, geholt, und zur Tränke geritten; gleichzeitig wurde in Wasser- säcken das notwendige Trinkwasser herbeigeschafft. Die nächste Wasserstelle war Okauha, eine 15 Kilometer weiter östlich gelegene Kalkpfanne, die, wie fast alle Wasserstellen im Sandseld, mit tiefen Wasserlöchern versehen, sehr wenig und sehr schlechtes, stinkendes Wasser enthielt. In das etwa 8 Meter tiefe brunnenartige Loch stieg ein Schutztruppler wie ein Kaminfeger hinunter und schöpfte mit einem Becher den an zusammengebundenen Zügeln herunter­gelassenen Freßbeutel voll Wasser; so wurden die sechs Pferde der Station getränkt. Zwei Stunden dauerte es jedesmal; denn da wir wegen der großen Entfernung nur einmal am Tage tränken konnten, hatten die Pferde großen Durst und soffen ungeheuer. Das für die Station mitgebrachte Wasser reichte nie, und diejenigen Leute, welche auf der Station zurückblieben, erwarteten, halb verdurstet, die Wasserholer mit Sehnsucht. Die Wassertransport- mittel waren vollkommen ungenügend, und das wurde auch manchem zum Verderben. Mit welchen Schwierigkeiten solch einsamer Posten zu kämpfen hat, ist kaum denkbar. Alles, und wenn's das Geringste ist, wird nur mit schwerer, mühevoller Arbeit errungen. Die Gefähr­dung durch den Feind, was bei der einsamen Lage schwer ins Gewicht fällt, tritt bei diesen ewigen Kämpfen mit den Verhältnissen fast in den Hintergrund.

V.

Weidereichtum und Baumwuchs in der Sandwiiste.

Nach einigen Tagen wurde ich mit meinen Kameraden und unserm Signalapparat zum Hauptquartier nach Owinaua-Naua kommandiert. Wir schlössen uns einer mit Sauer­stoff und Karbid beladenen Ochsenkarre an, welche dasselbe Marschziel hatte, und zählten nun fünf Soldaten und zwei eingeborene Treiber. Unser Weg führte uns zunächst über