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sich, mit Ausnahme der Posten, nm das Feuer. Zwei Stunden wollten wir rasten. Um 8 Uhr marschierten wir weiter. Nach Aussagen der Eingeborenen sollten wir in ebensolanger Zeit, wie wir geritten waren, an Wasser kommen; aber wir ritten schon drei Stunden. Es wurde abgestiegen, und die Pferde geführt; nach abermals zwei Stunden hatten wir noch kein Wasser erreicht. Wir mußten wieder halten, nm den Tagesanbruch abzuwarten. Um 5 Uhr morgens ritten wir weiter. Werden wir heute noch Wasser finden? Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf.
Endlich, um 8 Uhr morgens, kamen wir an ein Wasserloch, es war — leer. Was nun? In Gottes Namen weiter. Wieder ritten wir drei Stunden, dann ging es nicht mehr; wollte ich meine Pferde nicht kaputt machen, mußte ich halten. In der sengendsten Hitze blieb ich liegen und trat erst um 2 Uhr nachmittags den Marsch wieder an. Nach zwei Stunden hatte ich endlich das Wasserloch gefunden. Aber wie waren wir ermattet, die Feldflaschen leer, die Pferde schlapp, ich konnte heute nicht mehr weiter. Der Durst ist das Furchtbarste, was es gibt; hungern kann die Kreatur wohl, aber nicht dursten; dabei wird man so stumpfsinnig, es ist einem alles egal. Das sollte ich später noch einmal heftiger verspüren.
Am nächsten Morgen sandte ich die eine Hälfte mit dem Heliographenposten nach Jouberts Farm, mit der anderen ritt ich nach Groß- und Klein-Ornaongorube. Nachmittags, gegen 4 Uhr, wollten wir wieder an demselben Wasserloch zusammentreffen. Ich fand Ornaongorube frei, und der andere Teil führte seinen Auftrag auch aus. Am folgenden Morgen, den 25., trat ich den Rückmarsch an, um noch Otjenga aufzuklären; eigentlich sollte ich ja schon zurück sein; aber wer ahnte die Schwierigkeiten?
Der 25. brach an. In der Nacht war es bitter kalt, wir hatten Eis auf unseren Futterbeuteln. Um 8 Uhr ritt ich ab. Der Weg konnte nicht verfehlt werden, wir kannten ihn ja. Am Schnittpunkt, beim leeren Wasserloch, ließ ich die schlappsten Pferde zurück und ritt mit dreien nach Otjenga, um aufzuklären. Ich fand nur verlassene Werften. Nachdem ich wieder zu meinen Begleitern gestoßen war, brachen wir nach etwa drei Stunden auf. Wir wußten es ja, vor morgen früh bekamen wir kein Wasser, also Kräfte schonen. Wir gingen zu Fuß und führten unsere treuen Pferde am Zügel. Nach etwa zwei Stunden wurde haltgemacht, um des Nachts bei der Kühle zu reiten. Es war schon recht dunkel, ich war durch die Anstrengungen müde und gerade eingenickt, als der Posten meldete, daß etwa in einer Entfernung von 2 bis 3 Kilometer, so genau kann man die Entfernung nicht schätzen, Feuer zu sehen seien. Was nun? Ich bestieg einen zufällig in der Nähe befindlichen Baum und zählte 10 bis 12 einzelne Feuer. In meiner Brust waren zwei Gefühle: das eine, hinzuschleichen und dem Feinde, der ja von unserer Nähe keine Ahnung hatte, soviel wie wir konnten, Abbruch zu tun, das andere, das entgegengesetzte, die Pflicht, der Gehorsam. Ich durfte ja nicht, es war mir ja verboten, ich sollte mich ja auf kein Gefecht einlassen, und wenn ich es getan hätte, hätte man die Toten und Verwundeten — ohne die wäre es doch nicht abgegangen — nicht mit Recht von mir fordern müssen?
Die Pflicht siegte — kurze Zeit darauf ritten wir weiter. Erst am nächsten Morgen um 8 Uhr kamen wir bei unserem Führer an, der schon in Sorge um mich war. Als ich ihm
Oberleutnant K. von Barlewisch.