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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Kapstädter Wagen, die den Truppen den Proviant zugeführt hatten, die vonBuren gebaut und geeignet waren, nicht nur Klippen, sondern auch die Knochen unserer Verwundeten zu zermalmen.

Warum?

Und war es nötig, die Kranken gar so weit zu fahren? Folgten den Truppen denn keine Lazarette? Waren unterwegs keine Orte zu finden, wo genächtigt, erfrischt, verbunden werden konnte? Nun, wohl ließen wir den Truppen Lazarette folgen, aber wir konnten sie doch nur dort errichten, wo auch Proviantmagazine errichtet waren; denn wie hätten wir sonst für Verpflegung, Sicherung und Abtransport der Lazarette sorgen können? Wohl errichteten wir Krankensammelstellen, wo Sanitätspersonal und Material postiert wurde, um den Krankentransporten unterwegs das Bestmögliche zu gewähren; aber wie mußten wir uns Maß auch im Notwendigsten auferlegen! Für den Transport von Sanitätsmaterial konnten auf der kleinen Bahn von Swakopmund nach Windhuk allwöchentlich nur wenige Wagen ge­währt werden, und für den weiteren Transport ins Innere zu den Feldtruppen konnte auf jeder Proviantkolvnne nur ein beschränkter Laderaum gegeben werden. Und wie langsam nur war die Beförderung möglich! Wieviel von dem kostbaren Gut mußte unterwegs abgeladen werden, weil die Zugtiere verendeten! Wie vieles erreichte seinen Bestimmungsort nicht, weil uns derschwarze Feind" in ungeahnter Weise durch die endlosen Steppen führte! Und das Land selbst bot in jenen Gebieten, wo gekämpft wurde, nichts, gar nichts, was für die Pflege der Verwundeten hätte nutzbar gemacht werden können. Wasser, womit wir das Los der Verwundeten hätten lindern können, war im Hererolande nur ungenügend an Menge und un­beschreiblich an Qualität, auf Hunderte von Kilometern gar nicht vorhanden. Alles mußte über See ins Land gebracht, mit größten Schwierigkeiten gelandet, in mehrtägiger Eisenbahnfahrt bis Oka- tz a n d j a oder W i n d h u k und von da in w o ch e n l a n g e m Transport den Feldtruppen zugeführt werden.

. Daß unter diesen Umständen oft auf das Wünschenswerteste verzichtet wurde, ist klar; daß unsere Kranken und Verwundeten wochenlang die Bettstellen entbehrten, ist glaub­haft; daß sie gern die mehrwöchige Reise bis in die Lazarette an der Bahn auf sich nahmen selbst wenn es auf Kapstüdtcr Wagen war wird verständlich.

Niemals ein Murren.

Aber nie, das muß ich hier rühmend erwähnen, habe ich ein Murren gehört von unseren Soldaten; sie sahen ja selbst, daß alles geschah, was zu ihrer Erleichterung zu tun möglich war, sie waren begeistert noch auf ihrem Sterbe­lager und gaben willig zu, daß dem Kriegszweck der Vortritt gebührte. Vieles ist geschehen im Laufe des Krieges, um das Los der Verwundeten und Kranken zu lindern, und in den an der Bahn gelegenen Lazaretten ist vielfach Mustergültiges geschaffen worden; freilich mit europäischem Maßstab darf auch hierbei nicht gemessen werden. Keiner war berufener, hierüber zu ur­teilen, als der Kranke und Verwundete selbst, und diesen sah ich stets zufrieden, auch unter den größten Entbehrungen.

Ein rühmlicher Tod war es, den unsere Leute im fernen Südwestafrika starben, sei's unter der Geißel des männermordenden Typhus, sei's Gewehr im Arm auf sandigem Lager, oder auf klippenreicher Pad, oder nach wochenlangem Weh im Feldlazarett.

Generaloberarzt Dr. Schian,

chem. Korpsarzt der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

Generaloberarzt vr. Schian.

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