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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Krankentransport aus Munitionswagen durch die Omaheke.

Von Otjimanangombe nach Kalkfontein.

Der Rückmarsch der 7. Batterie aus der Omaheke erfolgte im November 1904, leider nicht in der geschlossenen Batterie, sondern immer nur teilweise; denn die Expedition des Hauptmanns Klein hatte uns wieder viele Tiere gekostet.

Am 4. November 1904 sollte der Munitionswagen als erstes Fahrzeug, mit Kranken beladen, den Rückmarsch antreten. Ich wurde als Wagenführer bestimmt.

Kranke: Leutnant Freiherr von Eglofsstein, Oberveterinär Ranpach, Reiter Bvlick (Bursche der beiden Herren), Unteroffizier Wanskc, Reiter Kissig und ein Reiter, dessen Name mir leider entfallen ist. Als Fahrer: die Reiter Bayer, Moritz, Wachs und Ge­freiter Schlegel. Wagenführer: Unteroffizier Ostermann.

Am Sonnabend, den 19. November 1904, nachmittags 6 Uhr, wurde angespannt. Um 6,30 Uhr setzte sich der Wagen langsam in Bewegung. Gegen 9 Uhr mußte ich absitzen, da mein Pferd mich nicht mehr tragen konnte. Ich band es an den Wagen und ging, den Karabiner auf dem Rücken, neben dem Gespann, um die Tiere anzutreiben. Für die Pflege der Kranken sorgte, soweit sie sich nicht selber helfen konnten, der Reiter Bolick. So ging der Marsch weiter bis früh um 8 Uhr. Es wurde ausgespannt, die Tiere kamen in der Nähe des Wagens auf die Weide. Wir mußten bis hierher ungefähr eine Strecke von 40 Kilometer zurückgelegt haben. Nachmittags, am 20. November, um 4,30 Uhr, wurde wieder angespannt und weitermarschiert. Ich ließ, um es den Tieren zu erleichtern, alle Fahrer absitzen. Der Wagen selbst wurde dadurch entlastet, daß Reiter Bolick und der Oberveterinär unter Anspannung aller Kräfte liefen. Die Fahrt ging bedeutend langsamer als in der ersten Nacht; die Vorderesel wichen, durch den Durst getrieben, von der Pad ab, um Wasser zu suchen. Um dies zu vermeiden, ging ich mit dem Oberveterinär abwechselnd als Tauleiter, d. h. einer nimmt die Zügel der Vorderesel und geht vor diesen auf der Pad. Dies versagte jedoch auch bald, alles Antreiben der Tiere half nicht. Außerdem wurde die Pad sehr sandig. Da entschloß ich mich, den Hinterwagen abzuprotzen und stehen zu lassen. Leutnant Freiherr von Eglofsstein setzte sich mit auf die Protze und um 11 Uhr wurde weitermarschiert. Aber nicht lange, nach 1?/g Stunde hatten wir nur einen Kilometer zurückgelegt. Mit Ein­verständnis des Leutnants und des Oberveterinärs wurde ausgespannt, die Kranken und Reiter Bolick blieben bei der Protze; Wasser war für die Zurückbleibenden noch zur Genüge vorhanden. Um 1,30 Uhr (nachts) ließ ich die Tiere durch die Fahrer nach Kalkfontein treiben, um sie dort zu tränken und dann die Protze zu holen. Es wurde gegen 5 Uhr hell, außer einigen Krähen war nirgends ein lebendes Wesen zu erblicken. Ich ging vor den Tieren, um die Pad festzustellen. Um 8 Uhr machte ich halt, und zn meinem größten Erstaunen war nur noch der Reiter Bayer mit zwei Eseln bei mir, während die übrigen Reiter mit den andern Tieren fehlten. Als ich auf drei Signalschüsse keine Antwort erhielt, ging ich allein weiter und erreichte gegen 11 Uhr (vormittags) glücklich die Wasserstelle Kalkfontein. Herr Leutnant Walther, der diese Station mit einem Zuge der 3. Kompagnie 2. Regiments besetzt hielt, sandte gleich eine Patrouille nach Epukiro, um den Krankenwagen zu holen, und eine Patrouille mit Wasser zu den zurückgebliebenen Kranken. Um 12 Uhr trafen die Reiter mit den Tieren in großen Abständen ein. Da unterwegs einige Esel eingegangen waren, sandte ich den Gefreiten Schlegel an die Kommandantur in Epukiro mit der Bitte um Ersatz. Außerdem mußte auch gleich Proviant für die 7. Batterie und 1. Kompagnie abgesandt werden. Die Reiter Wachs und Moritz blieben in Kalkfontein. Die beiden letzten rüstigsten Esel bestiegen Reiter Bayer und ich, um wieder zur Protze zu reiten. Um 12,45 Uhr erreichten