Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
442
Einzelbild herunterladen

442

Unter Leutnant von Auer aus dem Waterberg.

Die Abteilung Volkmann sollte nach dem von General von Trotha für die bevor­stehenden Entscheidungstampfe am Waterberg festgesetzten Gefechtsplan ein Ausweichen der Hereros nach Norden verhindern.

Am 8. August 1904 erteilte Oberleutnant Volkmann dem Leutnant von Auer den Befehl, von Otawi aus am 9. mit einer Patrouille gegen den Waterberg vorzugehen. Der Zweck der Unternehmung war, den Südrand des Plateaus zu gewinnen, um von dort durch Licht und Lampe die Beobachtungen über die Hereros den vorgehenden Abteilungen zu melden, deren konzentrischer Angriff am 11. August erfolgen sollte. In der nächsten Nacht folgte Leutnant Freiherr von Neibnitz mit noch zehn Reitern und der Lampenausrüstung. Unsere Patrouille war aus der Besatzung Grootfontein, der 3. Kompagnie, der Halbbatterie von Madai, der Maschinengewehrabteilung und der Signalabteilung zusammengesetzt alles ausgewählte Leute; denn Oberleutnant Volkmann sprach uns selbst von der Wichtigkeit des Auftrags. Am d. August abends begann unser beschwerlicher Aufstieg, nachdem die Pferde, die hier natürlich nicht gebraucht werden konnten, nach Otjenga zurückgeschickt waren.

Es mußte mit großer Vorsicht Verfahren werden, da ein Bemerktwerden durch die Hereros den wichtigen Auftrag hätte vereiteln können. Doch nicht nur die Gefahr auch die Anstrengung war groß. Wir waren beim Erklimmen der steilen Felswände schwer beladen. Die Heliographenapparate, die Kohlensäureflaschen, die Munition in den Packtaschen, dazu unsere Gewehre und Patronengurte, und auch etwas Proviant und Wasser das alles trugen wir auf dem Rücken während des Aufstieges.

Aber wir überwanden die steilen, pfadlosen Felshänge, durchkrochen die Klüfte und langten auf dem Plateau an. Durch den tiefen, heißen Sand da oben wateten wir weiter immer geführt durch unsere unerschrockenen und um­sichtigen Führer. Bei Anbruch der Dunkelheit, am

10. August, wurde die Lampe am Südrande des PlateanS aufgestellt, an einem Platze, den Leutnant von Auer, der bereits vorher eingetroffen, als besonders gut geeignet ausgewählt hatte, und schon um 10 Uhr abends hatten wir Verbindung mit dem Oberkommando Exzellenz von Trotha, sowie mit den Abteilungen Fiedler,

Deimling, Mueller, von der Hepde, von Estorff und Volkmann. Wir standen fast direkt über der Wasserstelle der Station Waterberg.

Am 11. August, 6 Uhr früh, donnerten die Ge­schütze und rasselten die Maschinengewehre aus allen Rich­tungen. Wir standen an einer Schlucht rechts und links waren Posten ausgestellt. Gefreiter Batschadt und Gefreiter Beer sicherten unsere Stellung gegen Über­raschung durch kleine Patrouillen. Auch Unteroffizier Ramlou war zur Sicherung vorgesandt. Wir anderen waren in der Schlucht zur Verteidigung verteilt. Ich selbst saß mit meinem Kompagniekollegen Luhmann hinter einem großen Felsen, der Mannshöhe hatte und unten zerklüftet war. Bald sausten die feindlichen Kugeln zu uns herauf, am Gestein zerschellend, und pflichtschuldig

.k Ä'

Gefreiter Mumm.