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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Blick liom Molenkopf aus den südliche» Stadtteil von Swakovmund.

Mein Spaziergang nach der Mole belohnte mich. Hier kamen die Brecher mit voller Wucht aus dem Meere ohne Hindernis bis an den Molenkopf, wo sie haushoch, donnernd anschlagend, ihren Gischt weit über die Mole spritzten und gegen 100 Meter weit auf den Strand liefen.

Endlich, gegen elf Uhr, mit dem Einsetzen der Ebbe, hatte auch der Nebel ein Ein­sehen. Swakopmund wurde immer mehr sichtbar, gleich, als ob ein Schleier fortgezogen würde. Schon sieht man den Leuchtturm, jetzt das Bezirksamt, nun die Post, das Hotel Zum Fürsten Bismarck", dann allmählich die ganze Häuserfront auf dem hohen Dünenrande. Auch über dem Wasser erblickte man jetzt den Pier, und der Strand mit den vielen um­gestülpten Booten war sichtbar geworden.

Die afrikanische Sonne schien endlich wieder nach diesen beiden langen, feuchtkalten Nebeltagen. Wie aus tiefem Schlafe erwachend, war es am Strande lebendig geworden. Die schwarzen Arbeiter, Neger aus Liberia und demOvambo- lande, machten ihre Brandungsboote klar und schoben sie unter lautem Gesang in das Wasser.

Einige Boote hatten bereits vom Lande abgestoßen und kämpften gegen die Brandung. Trotz aller Seemanns­künste ihrer Steuerleute, trotz des kräftigsten Ruderns ihrer Mannschaft, sechs bis acht Krunegern, wurden sie immer wieder durch die heranbrausenden, sich überschlagenden Brecher zurückgeworfen. Jeden Nerv mußte der Steuer­mann anspannen, um ein Querschlagen des Bootes zu verhindern; denn dann war ein Vollschlagen und Kentern die unvermeidliche Folge. Ein aufregendes Schauspiel für den Zuschauer am Lande.

Draußen, etwa 300 bis 400 Meter vom Lande entfernt, an der verankerten roten Boje, nach der hin eine

Bekleidungsanits-Asststeut M. Pfannschrnidt.