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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Doch nun zurück zu unserem Marsch.

In derkalten" Jahreszeit gegen 11, in der heißen schon gegen 9 Uhr morgens muß der Hitze wegen zur Ruhe übergegangen werden. Der Platz dazu muß an einer Wasserstelle liegen, während man die Nachtruhe nicht ans Wasser, sondern an möglichst gute Weide verlegt; denn in der kühlen Nacht fressen die Tiere am besten. An der Wasserstelle angelangt, laben sich Menschen und Tiere; die Leute fangen an zu kochen; Strauchwerk zum Feuermachen findet sich überall.

Was die Leute kochen? Entweder frisches Fleisch von tags zuvor geschlachteten Ochsen oder Hammeln, dazu Reis; oder Erbswurst mit 6ornsä bssk; auch Speck, getrocknetes Ge­müse, Kohl usw. wird geliefert. Falls Mehl da ist, wird ein schmackhaftes Brot gebacken, sonst muß der vorzügliche Konservenzwieback als Brot dienen.

Unsere Reiter haben es schnell gelernt, Abwechslung in das Einerlei ihrer Kost zu bringen. So z. B. gibt es Ooraoä boek, das man in der Heimat nur als kalten Aufschnitt kennt, dort gekocht, gebraten und als Salat zurechtgemacht.

Ab und zu bereitete uns unser Koch beim Regimentsstab als ganz besonders feines Dessert:Reis ü In Malta", wie er es nannte, d. h. mit Wasser gekochten Reis, mit den Händen in die Form eines Eingeborenenpontoks gebracht und einige Backpflaumen hineingesteckt.

Immer wird so opulent, wie ich es eben beschrieben, nicht gelebt. Mitunter, nament­lich wenn man längere Zeit dem Feinde scharf auf den Fersen gefolgt ist, tritt Mangel ein, weil die Ochsenwagen mit dem Proviant der Truppe nicht so schnell folgen können, und weil der Nachschub von hinten stockt.

Aber der Mangel ist doch immer nur ein zeitweiser; verhungern kann in Afrika nie­mand, schon weil immer Schlachtvieh da ist.

Unseren Leuten macht das ungebundene Lagerleben entschieden Freude. Drei oder vier tun sich zum Kochen zusammen; nach dem Essen lagern sie sich im Schatten; ist kein Baum oder Strauch da, der Schatten spendet, so wird eine Zeltbahn ausgespannt; dann rauchen sie ihre Pfeife mit Plattentabak, der entsetzlich beißt, aber wegen seines geringen Volumens praktisch ist und erzählen sich etwas meist von der Heimat, oder sie singen wohl auch eines der Kriegslieder der Baronin von Liliencron in Schwerin oder das aus der Schutztruppe heraus entstandene, von Hauptmann Richard gedichtete Schutztruppenlied, nach der Melodie des Flaggenliedes:

Ich bin ein junges Reiterblut in kaiserlichem Sold,

Trag' aus dem Ohre keck den Hut, frag' nicht nach Lieb' und Gold.

Hab' unter mir ein flottes Pferd und führ' ein gut Gewehr,

Was sonst der Himmel mir beschert, das wiegt bei mir nicht schwer.

Wir dienen dir, lieb Vaterland, in Südwestasrika;

Schutztruppe werden wir genannt, zum Schutze sind wir da.

Brennt noch so stark der Sonne Glut auf heißem Wüstensand,

Wir krempen um den breiten Hut und ziehn vergnügt durchs Land;

Quält uns der Durst auch noch so sehr, quält uns der Hunger schier,

Wir nehmen's alle nicht so schwer; denn alle denken wir:

Wir dienen dir, lieb Vaterland, usw.

Und haben wir so manche Nacht zu Fuß und auch zu Pferd

Dem Schlaf getrotzt und treu gewacht, es hat uns nicht beschwert.

Für deutsche Brüder tun wir's gern, und Stolz füllt unsre Brust,

Für unsern Kaiser, unsern Herrn; denn wir sind uns bewußt:

Wir dienen dir, lieb Vaterland, usw.

Wir fochten schon so manchen Strauß im Busch und Felsgeröll

Mit diesen schwarzen Teufeln aus und färbten rot ihr Fell.

Sie rissen aus, wir hinterdrein soweit der Himmel blau,

Und holten wir sie selten ein, sie wissen doch genau:

Wir dienen dir, lieb Vaterland, usw.