477
Doch ach, so mancher Kamerad — in voller Lebenskraft, —
Bei todeskühner Reitertat — ward er dahingerafft. —
Für unsern Kaiser, für das Reich — gab er dahin sein Blut, —
Auf sein Gesicht, so todesbleich, — da legten wir den Hut. —
Wir dienen dir, lieb Vaterland, — usw.
Und kommt auch mal an uns die Reih', — wir bleiben unverzagt; —
In jedem Kampfe wird aufs neu — das Leben frisch gewagt. —
Wir kämpfen ja für deutsche Macht, — für deutsche Herrlichkeit! —
Der fernen Heimat wird gedacht — treulich in Freud' und Leid. —
Wir dienen dir, lieb Vaterland, — in Südwestafrika; —
Schutztruppe werden wir genannt, — Schutztruppe hoch, Hurra! —"
Nachmittags, etwa 5 Uhr, sobald die ärgste Hitze vorüber, wird gesattelt und weiter- marschiert. Vor diesem Weitermarsch müssen die Tiere noch einmal tüchtig getränkt, Wassersäcke und Feldflaschen noch einmal gefüllt werden; denn erst am andern Mittag kommt man wieder ans Wasser. Meist wird bis gegen 10 Uhr abends marschiert; alsdann Biwak auf einem guten, vorher erkundeten Weideplatz. Ist aber die Wasserstelle, die man am andern Tag erreichen will, noch weit entfernt, dann muß nach einer Ruhe von einigen Stunden noch in der Nacht aufgebrochen und weitermarschiert werden. Der klare Sternenhimmel und der viel Heller als bei uns scheinende Mond erleichtern den Nachtmarsch.
von Deimling, Generalmajor.
Deutsche Frauen im Kampfe für Südwestasrika.
Ich habe dieses Werk begonnen mit einer kurzen Schilderung aus dem Aufstande der Hereros beim Kriegsbeginn. Wir sahen eine mutige deutsche Frau unter den vernichtenden Schlägen der Kirris niedersinken. Meiner Bitte um eine kurze Schilderung aus ihrem schreckensbleichen Kriegsleben ist diese Dame, Frau von Falkenhausen, deren Gatte von Mörderhänden siel, gütig nachgekommen, und ich danke ihr an dieser Stelle — gewiß im Sinne aller Mitkämpfer — für den nachfolgenden Beitrag.
Kaisers Geburtstag 1904.
„Wie feierlich und echt stimmungsvoll war es stets an dem Geburtstag unseres Kaisers in Südwestafrika gewesen. Wie anders sollte jener denkwürdige 27. Januar 1904 verlausen, der mir unauslöschlich in die Seele eingegraben ist.
Furchtbare Tage lagen hinter mir: des Gatten und der Heimat beraubt, hatte ich — schwer verwundet — mit meinen Kindern in dem Hause der Missionare in Otjihaenena Aufnahme gefunden*). Immer von neuem war das bittere Leid, das ich erfahren, entfacht worden durch die grauenvollen Schilderungen von den Kriegsvorgängen, welche die Hereros mit bestialischer Freude uns entwarfen. Stündlich hatten wir den Anblick wilder Hererohaufen, die, geraubte Herden vor sich hertreibend, mit dem Hausrat der ermordeten Farmer — auch von uns hatte ich manches Stück erkannt — vorüberzogen. Was nützte es, daß Samuel Maharero uns Schutz zugesichert, daß er den alten Großmann Jonas als Hüter und Wächter über uns gesetzt hatte? Die mordlustigen Hereros waren jeder neuen Greueltat fähig, wir standen ganz in ihrer Macht.
') Der Gemahl der Frau von Falkenhausen wurde von den Hereros ermordet, sie selbst in ihrer Wohnung überfallen und, durch Kirrischläge schwer verwundet, sür tot liegen gelassen. lD. H.)