Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
479
Einzelbild herunterladen

479

479

durchlebte. Nun wollen wir vor dem Abschlüsse des Werkes auch nicht versäumen, den Blick auf die Frauen zu lenken, die die Gefahren und Anstrengungen des Krieges nicht scheuten, um kranken und verwundeten Streitern hilf- und trostreich zur Seite zu stehen. Wenn die folgenden Worte eines bei Owiumbo am 13. April 1904 schwer verwundeten Offiziers seine Dankbarkeit für seine treue Pflegerin zum Ausdruck bringen, so gibt er Wohl damit zugleich ein Zeugnis für die volle Anerkennung, die von den Kriegern den Schwestern überall, wo sie walteten und pflegten, dargebracht wurde. Ein Beispiel nur für viele:

Schwester Mary Jonas.

Nicht von Gefechten und Märschen der Truppen will ich sprechen! Ich will eine Ehrenpflicht erfüllen denen gegenüber, die still und bescheiden im Hintergrund ihrer ernsten Arbeit genügen. Ich meine damit die Schwestern vorn Roten Kreuz, die draußen unter den schwierigsten Verhältnissen sich mühten, ebenso wie der Soldat vorn in der Front. Da ist mir und sicher allen, die von ihr gepflegt worden sind, besonders eine Schwester Mary Jonas in bleibender Erinnerung. Unter Leitung des Oberarztes Jodtka war sie im Genesungsheim Ababis tätig. Vom Lazarett Okahandja kommend, traf ich mit der Bahn dort ein.Na, Gott sei Dank, daß ich Sie hier habe."Nanu, Schwester, Sie konnten Wohl die Zeit nicht erwarten, bis ich verwundet wurde?"Was, wollen Sie mich noch ärgern, ziehen Sie lieber Ihre alte Uniform aus, man fürchtet sich ja vor Ihnen!" Neue Schuhe, frische Wäsche, ein weißer Anzug Liebesgaben vom Noten Kreuz lagen auf dem weißüberzogenen Bett in der freundlichen Stube.Noch immer nicht fertig? Kommen Sie doch endlich zum Frühstück! Wir haben heute größere Gesellschaft, die Herren der 5. Feldbatterie essen bei uns!"Sagen Sie mal, Schwester, wie machen Sie denn das nur alles? Sie haben doch wahrhaftig mit den Kranken genug zu tun?"Ach, das geht alles, so schlimm ist der Dienst nicht!"

Von der Ausdehnung dieses Dienstes bekam ich aber bald den richtigen Begriff. Stand man früh auf, so hatte die Schwester schon die Runde in den Krankenstuben gemacht, ihre 40 Pflegebefohlenen nach Anordnung des Arztes versorgt und mit jedem ein freundliches Wort gesprochen. Schaute man aus dem Fenster, so sah man sie selbst den Operationsraum oder die Apotheke fegen oder scheuern, keine Minute rastend.Schwester, kommen Sie zur Operation!"Schwester, haben Sie schon die Medizin für den Reiter A. herausgegeben?"

Schwester, Sie müssen dem Unteroffizier B. den Verband erneuern!" Kurz, Schwester hier und Schwester dort.

Da kommt ein Offi­zier vom 2. Feldregiment an­geritten und teilt mit, daß seine Koinpagnie bald nach ihm ein­trifft.Sie wohnen natürlich bei uns im Lazarett, essen tun Sie auch hier! Geben Sie nur Ihre Portionen ab, das be­sorgen wir schon, Sie haben

später noch genug zu tun!" Hauptman» Puder, Oberarzt Jodtka, Lchwefter Mary Jonas.

W

Ä,

M

M