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Egypten. In Kairo kann man sehen: alle europäische Nationen, Türken, Georgier, Tscherkcssen und andere Kau- kasier, Perser, Syrier, Palästincr, Drusen, Maroniten, Armenier, Juden, Beduinen, Algierier, Marokkaner, Nubicr, Neger vom blauen und weißen Flusse, aus Dahr« Fuhr, Tombuktu, Barharmi und Takhale, Abyssinier aus allen Provinzen des großen Landes, Jemenesen, Jndicr u. s. w., kurz, man hat eine wahre Mustcrkarte der verschiedenartigsten Nationen, die Egypten entweder auf ihrer Reise besuchen oder bleibende Wohnsitze dort aufgeschlagen haben. Es ist natürlich, daß man bei einer so großen Verschiedenheit der Völkerschaften auch die verschiedenartigsten Sitten und Gebräuche wahrnehmen kann; ganz unmöglich aber ist es, sie alle kennen zu lernen. Ich werde versuchen, Einiges, was ich von den Sitten und Gebräuchen der verschiedenen Bewohner des Landes zu beobachten Gelegenheit hatte, so weit ich es im Stande bin, zu schildern.
Zuerst beginne ich mit dem Egyptcr. Es ist nicht der Nachkomme des alten Egypters, den ich meine, nicht der, dessen Vorfahren die Weisheit lehrten und Bildung verbreiteten, Steinbcrge aufthürmten und Felsen aushöhlten, um ihren Königen Gräber zu bereiten, welche ganz Egyptmland mit Kanälen durchzogen hatten und sogar den von uns, den stolzen, so weit in der Bildung vorgeschrittenen Europäern, mit all unseren Entdeckungen und Erfindungen, mit unserer Dampfkraft und Mechanik, noch nicht in Angriff genommenen Kanal zu bauen angefangen, vielleicht fast vollendet hatten, um das rothe mit dem mittelländischen Meere zu verbinden, — denn das wäre der heutige Kopte, — sondern ich meine Den, welcher vor Jahrhunderten mit den Waffen in der Hand in Egypten eindrang, um die Lehre der Isis oder das Christenthum zu verdrängen und dafür auf schlankem Minaret den Halbmond aufzurichten, den früheren Araber. Seit Jahrhunderten von eigenen Herrscherin, Mameluken und Türken unterdrückt und beknechtet, ist er zum gemeinen Fell ah hcrabgesunkcn, denn der Araber, welcher in der Stadt sein Handwerk treibt, ist mit dem, welcher das Feld bearbeitet, eines Stammes, hat mit ihm einen