Dokument 
Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
Entstehung
Seite
175
Einzelbild herunterladen

i75

eingenommen und verwüstet, so auch von Timur. Soweit wechselnder Glaube und Kriege die Bauwerke nicht zerstört hatten, vollendeten dies einige Erdbeben das letzte im vorigen Jahrhunderte von denen Baalbek heimgesucht wurde. Und so steht denn von der Pracht des alten Tempels, von der Akropolis nur wenig mehr. Schwer ist die Disposition der Bauwerke zu erkennen, deren prachtvolle Ueberbleibsel heute noch Bewunderung hervorrufen. Es muss ein gross­artiger Tempel gewesen sein. Auf mächtigen Quadermauern, in denen Gänge und Kammern ausgespitzt sind, erhebt er sich. Die hohen Stufen, welche hinaufführten, sind ver­schwunden. Man muss daher durch den unterirdischen breiten hochgewölbten Gang zu dem Tempelraum hinansteigen. An einen schmalen, von zwei Nebenräumen flankirten Porticus schliesst sich ein sechseckiger Vorhof. Hier, sowie in dem anstossenden i3o Meter langen und 115 Meter breiten zweiten Vorhofe sind an den Mauern einzelne Kammern gewesen, welche heute noch zu erkennen sind. In doppelten Reihen reich ausgestattete Nischen mit feinster Ornamentirung, durch Pilaster getrennt. Diese Kammern waren theils halbrund, theils rechteckig, je zwei gegenüberliegende ganz gleich. In der Mitte des zweiten Vorhofes eine erhöhte Plattform, aus welcher man in den eigentlichen Tempelraum gelangt.

Von diesem stehen nur noch sechs schlanke Säulen, 19 Meter hoch, mit korinthischen Capitälen und hohem, reich gezierten Architravgebälke. Säulenstücke, Capitäle, fein ge- meisselte Deckenplatten bedecken chaotisch den Boden. Nur an den sechs Säulen und der Ausstattung einiger Kammern kann man die ehemalige Pracht des Tempels ermessen, an den herumliegenden Blöcken aber die Kunst damaliger Bau­meister. In der Westmauer sind drei Quadern g Meter vom Boden eingemauert, welche ungefähr 3o Meter lang und