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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
Entstehung
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der Akropolis, während die werthvollsten und besterhaltenen im Akropolismuseum aufgestellt sind. Einige prachtvolle Köpfe, Torsos und Gewandfiguren haben in demselben ihren Platz gefunden. Von den Gold- und Elfenbeinstatuen alter Zeit, besonders von der Statue der Athene von Phidias ist nichts mehr vorhanden. Eine Copie derselben aus römischer Zeit bildet einen Hauptschmuck des Centralmuseums.

Die Aussicht von der Akropolis ist prachtvoll, man sieht so recht in das Innere der Stadt, sieht die Ruinen ältester Zeit inmitten der sie umgebenden neuen Gebäude. Gegen Westen liegt der Felsen Areopag, die Stätte des ersten Gerichtshofes, weiter zwischen dem Nymphenhügel und dem Museion eine aus dem Felsen gehauene Terrasse, der Pnyx, wo Athens Volksversammlungen abgehalten wurden, wo das zündende Wort eines Perikies, eines Demosthenes u. a. m. die Menge hinriss und zu patriotischen Thaten ent­flammte.

Nun besichtigten wir noch das Theseion, den best­erhaltenen aller griechischen Tempel. Er stammt beiläufig aus der Zeit der Akropolisbauten. Sechs Säulen dorischer Ordnung schmücken die Stirnseite, dreizehn die Längsseiten. Der Tempel erhebt sich auf einem Sockel, zu dem einige Stufen hinaufführen. An den beiden Stirnseiten sind kleine Vorhallen. Zum Theile gut erhaltene -Relieffriese, Kämpfe des Theseus darstellend, bedecken die Cellawand, während sich von dieser eine Cassettendecke zu den Säulen spannt, auf welcher noch Spuren von Uebermalung sichtbar sind. Das Innere ist ganz schmucklos. Der Tempel dankt seine Erhaltung in erster Reihe dem Umstande, dass in demselben eine christliche Kirche eingerichtet war. Auf der Terrasse vor dem Theseion steht eine überlebensgrosse Statue der Athene Nike, die im nahen Megara gefunden wurde.