Türkisch-asiatische Bahnen.
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Gegenwärtig haben allerdings, namentlich was Egypten anbelangt, nach Herstellung geregelter Handelsverbindungen die großen Hlllgerkara- wanen bei Weitem nicht mehr die handelspolitische Bedeutung von ehedem. Die meisten NIekkapilger benützen jetzt den Seeweg über Djeddah, wo im letzten Jahrzehnt zwischen 30 000 und ^0 000 Pilger jährlich eintrasen.
Zu den Orientbahnen im weiteren Sinne gehören zunächst die türkisch-asiatischen Projekte, wie sie seit mehr als zehn Jahren mehrfach und mannigfaltig, zukunstsverheißend und dennoch vorerst aussichtslos ausgestellt und erörtert worden sind.
Irgend ein deutscher Fürst soll einmal, als er von den Wundern der neuen Verkehrskraft erzählen hörte, gesagt haben: „Ich will für mein Land eine Eisenbahn haben und wenn sie hundert Thaler kosten sollte." So ähnlich dachte und befahl Sultan Abdul Aziz im Sommer s872; er verkündete seinen festen Willen, die Linie Ismid—Bagdad auf eigene Aosten bauen lassen zu wollen, er beauftragte alsbald seine H>rivatarchitekten mit der Ausführung seines Willens und bestimmte dafür zugleich allmonatlich eine Summe, welche, wenn sie überhaupt gezahlt worden wäre, kaum hingereicht hätte, um die Bahn innerhalb eines halben Jahrhunderts fertigzustellen. In der That gehorchte man damals dem Befehle des Sultans, jenseit Ismid wurden für Bauarbeiten 2^0 000 H>fd. verausgabt, aber fertiggestellt ward nicht ein Ailometer fahrbarer Bahn. In Betrieb standen Ende s883 — von englischen Gesellschaften erbaut — nur die Linien Skutari—Isinid (9l l<m), Smyrna —Alascher (s7^1cm), und Smyrna—Aidin—Saryköi (230 lcm).
Schon damals hatte man in Stambul hochfliegende HÜäne in Bezug auf den Ausbau der kleinasiatisch-persischen Eisenbahnen, sei es in wirklicher Erkenntniß des Werthes derselben, sei es nur, um den gesunkenen Aredit des Osmanenreiches bei dem europäischen Aapital dadurch zu erhöhen. Auf Veranlassung der türkischen Regierung entwarf Wilhelm HNessel in den Jahren s872 und H873 ein ganz Türkisch - Asien umfassendes Eisenbahnnetz in einer Gesammtlänge von 50001cm auf Grund ernsthafter Vorarbeiten. In umfassenden, werthvollen Berichten an die türkische Regierung hat jDressel als Generaldirektor der türkischen Eisenbahnen in Asien unter Heranziehung aller in Betracht kommenden Aultur- und Wirthschaftsverhältnisse den ziffernmäßigen Nachweis über die Rentabilität des weitausschauenden Unternehmens gegeben, wobei er sich mit großer Entschiedenheit für die schmalspurige Anlage desselben aussprach. Bei einem Baupreis von durchschnittlich 230 000 Frcs. pro Ailometer für eine Spurweite von s,^m sollen sich nach jdressel die Aosten dieser Eisenbahnen
Türkisch-
asiatische
Bahnen.