Ungarn und Fiume.
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in der Hoffnung, die Grundlage derselben, die Ausfuhr, werde ohne sie nachfolgen. Es ist ein verhängnisvoller Fehler der deutschen Seestädte gewesen, aus Grund ihrer Freihafenstellung sich vorwiegend der Einfuhr zu widmen und der Ausfuhr nur untergeordnete Bedeutung beizulegen. Unter überseeischem Geschäfte wurde aus dem Aontinent irrigerweise immer nur die Einfuhr verstanden, was vom Handelsmaritimen Standpunkt zu begreifen, national und wirthschastlich aber nicht zu billigen ist und hoffentlich in Deutschland nunmehr erkannt wird. Gb es den Österreichern und Triestinern in der That gelingen wird, Einfuhr und Ausfuhr von ihren gewohnten bewährten, wohlfeilen und rasch zu besahrenden Ueberlandwegen nach der Adria abzuleiten und zunächst die überseeischen Produkte von England nach Oesterreich durch die Meerenge von Gibraltar mit drei- oder vier- wöchentlicher Lieferfrist zu führen?
Bis Ende 1883 beherrschten die mehrmals monatlich verkehrenden Dampfer der Tunard - Gesellschaft den Verkehr Triest's mit dem Westen über England (Liverpool). Seit Einführung der Differentialzölle hat diese Gesellschaft ansehnliche Frachtzunahmen auszuweisen, nimmt darnach an Vergünstigungen Theil, welche ihr keineswegs zugedacht waren.
Schon lange, bevor man in Oesterreich an solche Unterneh- Ungarn und mungen dachte, war man in Ungarn aus den südlichen Seeweg über Fiume. Trieft—Fiume aufmerksam geworden, angeblich wegen der hohen Eisenbahntarise der deutschen Eisenbahnen nach der Nordsee, zum Theil aber auch sicherlich in Folge der zunehmenden amerikanischen Aon- kurrenz, welche namentlich.auch in Folge günstigerer Verkehrswege auf die Getreide- und Mehlpreise in West - Europa empfindlich drückte und zur Reduktion der Gestehungskosten zwang. Schon seit 1877 verfrachtete man Mehlsendungen nach England von Budapest aus zumeist über Trieft, später über Fiume. Von den 836 01^ (1877 :
671 850) Meterzentnern Mehl, welche Ungarn 1878 nach England exportirte, sind über Hamburg nur 1^9 352, über Bremen ca. 25 000, dagegen über Trieft 1o2 und über Fiume 170 110 Meterzentner versendet worden. „Unsere Mühlenindustrie", sagt die Budapester Handelskammer, „hat mithin gar keinen Grund über Deutschlands Eisenbahnpolitik zu klagen, indem sich der Transport über das Mittelländische Meer noch wohlfeiler erwies, als der über Hamburg; der Export wurde mithin nicht erschwert, er wurde vielmehr erleichtert".
Und in ihrem Jahresbericht für 1878 bezeichnete die Budapester Aammer es geradezu als eine erfreuliche Aonsequenz der hohen Eisenbahntarife Deutschlands, „daß Fiume, der Hafen Ungarns, in dem