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Zweiter Theil
Entstehung
Seite
140
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ist stolz auf seine Kundschaft, betrachtet sich bei Jedem, den er be­dient, wie einen Diener des Hauses, ist höflich, bescheiden und wohlgeliltcn. Kairo's Wasserträger sind die fleißigsten, regsamsten Menschen in der ganzen Stadt, denn ungefähr zwanzig Häuser mit Wasser zu versorgen und dabei mindestens zehnmal täglich nach Bulakh zu gehen, ist gerade keine Kleinigkeit.

Von einem solchen Hause aus machen wir unsere Ausflüge in die Stadt und ihre Umgebungen, natürlich nur zu Esel. Bei die­ser Bemerkung fällt mir ein, daß ich die oft genug genannten Thiere und ihre Treiber noch gar nicht beschrieben habe. Und ge­rade diese gehören zu den interessantesten Persönlichkeiten Kairo's. Die Esel welche unS hier nichts angehen, weil wir ihnen ih­ren Platz unter den Hausthieren Egyptenö angewiesen haben sind die Droschken, die Esclbubcn die Droschkenkutscher der orien­talischen Städte.

,,Eö ist eine wahre Lust und ein wahrer Jammer, mit diesen Arabern und insbesondere mit diesen Escljungen umzugehen. Man kann nicht einig mit sich werden, soll man sie für gutmüthiger oder bösartiger, für obstinater oder dienstwilliger, träger oder lebhafter, verschmitzter oder unverschämter halten. Sie sind ein Quirl von allen möglichen Eigenschaften," sagt unser ,,Kleinstädter in Egyp- tcn" von ihnen und hat in der That ganz Recht. Der Reisende begegnet ihnen, sobald er seinen Fuß in Alerandrien an die Küste setzt. Auf jedem belebten Platze einer großen Stadt stehen sie mit ihren Thieren von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Die An­kunft einem Dampfschiffes ist für sie ein Ercigniß, denn der Fremde und in ihren Augen Unwissende (R hasch ihm) ist ihnen auf den ersten Blick bekannt. Er wird zunächst in drei bis vier Sprachen angeredet und wehe ihm, wenn er englische Laute hören läßt. Dann entsteht umden Gcldmann" eine Prügelei, bis der Rei­sende den Tumult durch den sehr räthlichcn Akt des Sich-zu-Esel- Setzens beendet. Erst, wenn man längere Zeit in Egyptcn gelebt hat, der arabischen Sprache kundig ist und statt des Kauderwelsches von drei bis vier von ihnen gemißhandelten Sprachen in ihrer Muttersprache mit ihnen zu konvcrsiren fähig ist, lernt man sie