143
Das sind also die Bursche, ohne welche es uns ganz unmöglich sein würde, Kairo genau kennen zu lernen. Wir rufen einen , von ihnen vor unser HauS, besteigen sein Thier und reiten in dem
^ den Eseln eigenthümlichen kurzen Galopp durch die Straßen, zu
nächst um uns die öffentlichen Gebäude ber Khahira zu besichtigen.
Beginnen wir mit der Citadelle, diesem ,,in der ganzen Welt nicht zum anderen Male anzutreffenden phantastisch-babylonischen Wirrsal von fabelhaften Höfen und mäandrischen Mauergängen, von Kasernen und Palästen, von jach abstürzenden Fclsmaucrn und schauerlichen Mordwinkcln, in welchen die Geister der massa- krirten Mamclukenhäuptlingc und der heimlich umgebrachten Ha- rchmsschönheitcn umgehen." —
„Ruinen und Neubauten, Schutthaufen und Prachtbauten, in Alabaster ausgeführt, Felsenbrunnen, die bis zum Nilspicgcl herab- reichen, und Minarets, die wie ungeheure Wachskerzen auf Kandelabern um das Heiligthum der Kuppel aufgesteckt sind, durchirrt hier der Fremdling mit beängstigtem Herzen und zögerndem Fuß." ^ Die Citadelle liegt südöstlich von der Stadt, auf einem Aus
läufer des Mokhadamgebirges, enthält den Palast, die Rc- gicrungsgebäudc, die Münze, eine Gewehrfabrik und die große Moschee des Mahammed Aali, welche, wenn sie vollendet sein wird, wohl die schönste Kairo's sein dürfte. Sie ist mit verschwenderischer Pracht ausgeführt und besteht in einer ungeheuren, von einer riesigen Kuppel bedeckten Halle, mehreren kleinen, unter sich vereinigten und ebenfalls durch Kuppeln überdachten Nebenräumen. Die Hauptkuppel wird von hohen, durch Bogen überwölbten Pfeilern getragen und zeigt auf dunkelblauem, der Farbe des egypti- schen Himmels gleichen Grunde Sprüche aus dem Khorahn in Goldschrift. Fußhohe Buchstabenreihen mit künstlich durch einander gezogenen Schriftzügen, sich ebenfalls zu Stellen der heiligen Schrift i der Mahammedaner vereinend, ziehen sich um den Fries der Kup-
> pel herum. Aus den Mittelpunkten der verschiedenen Kuppelge-
wölbe hängen schwere Messingplatten herab, an denen später die in jeder Moschee vorhandenen Lampen befestigt werden sollen. Die Leiche des Gründers steht noch in einem Winkel der Moschee, in