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Garten umgeben und in der Abwesenheit desselben dem Fremden zugänglich. Er enthält Alles, was der europäische und orientalische Lurus verlangt, ist aber sonst in Nichts besonders merkwürdig. —
Das älteste Gebäude der Citadelle ist der Josephsbrunnen. Einige behaupten, daß er von Sultahn Jussuf Salatihn zu Ende des zwölften Jahrhunderts erbaut, Andere, daß er von ihm nur gereinigt worden sei und noch Andere wollen ihn Joseph, Jacob's Sohne, aufbürden, obgleich man gar nicht weiß, ob zur Zeit dieses edlen Judensohneö überhaupt an der Stelle des heutigen Kairo eine Stadt gelegen hat oder nicht (was übrigens von neueren, tüchtigen Geschichtsforschern ganz in Abrede gestellt wird). So viel scheint festzustehen, daß ein gewisser Joseph oder Jussuf einmal die glückliche Idee gehabt und ausgeführt hat, der zu seiner Zeit wahrscheinlich schon befestigten Citadelle Wasser zu verschaffen. Der Brunnen besteht aus zwei neben einander stehenden Etagen, hat einen Umfang von zweiundvierzig Fuß und ist im Ganzen bis zum tiefsten Nilstande oder bis zu sechzehn Fuß über das Mittelmeer durch den Felsen gehauen. Seine ganze Tiefe beträgt nach den Messungen der französischen Ingenieurs zweihundertundachtundsie- benzig Fuß. Um den Brunnen herum führen schraubenförmig abwärts steigende Gänge mit vielen Oeffnungen nach dem Inneren des Brunnens, in welchen auch das zur Bewegung des Schöps- rades erforderliche Zugvieh auf dem ersten Absätze hinab gelangt. Von hier aus wird durch ein einfaches Paternosterwerk das Wasser bis in ein großes Bassin emporgehoben, aus dem es durch dieselbe Vorrichtung weiter nach oben befördert wird.
Auch noch eine zweite Wasserleitung führt Wasser nach der Citadelle. Sie endet bei Alt-Kairo, hart am Nile, von dem aus das Wasser mit Schöpfrädern hundert Fuß hoch emporgehoben und in einer auf vielen Bogen ruhenden Rinne nach dem Orte seiner Bestimmung geleitet wird.
Schließlich mögen noch einige Worte unsers „Kleinstädters in Egypten" hier eine Stelle finden, weil sie zu wahr und zu schön
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