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Zweiter Theil
Entstehung
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172
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Diejenigen, welche mehr Geld alsdie gemeinen Leute" haben, sind es wenigstens in eben so hohem Grade, vielleicht noch mehr. Viele sind erst durch Verbrechen, wie z. B. Wucher, betrügerischen Ban­kerott und dergleichen, reich oder vornehm (in Alerandrien ganz gleichbedeutend) geworden. Es wird dort Jemanden leicht verzie­hen, wenn er früher gelogen, betrogen oder gestohlen hat, nur muß er reich sein, wenn er angesehen sein will. AlerandrienS Ostrouiguo 8vanclal6us6 ist noch reicher und ausgedehnter an Ge­schichten und Erzählungen, als die von Eharthum, weil Aleran­drien weit mehr Europäer beherbergt, als das ganze übrige egyp- tische Reich. Die Treulosigkeit der italienischen Frauen AlerandrienS ist zum Sprichwort geworden. Es soll schon manchem Ehemanne von diesen Damen, um sich von einer lästigen Gesellschaft zu be­freien, ein Tränkchcn gemischt worden sein. Alle in Alerandrien ge­borenen oder erzogenen Italienerinnen, Französinnen und Griechin­nen wachen, so lange sie unvcrheirathet sind, sorgfältig darüber, nicht in der Leute Mund zu kommen; haben sie jedoch glücklich ei­nen Mann dauernd an sich gefesselt, dann treiben sie cS aber auch so, als wollten sie das Versäumte nachholen; je enthaltsamer sie früher waren, um so ausschweifender sind sie später. Daß die Männer um kein Haar besser sind, als sie, versteht sich von selbst; leider wird aber deren Untreue nie so streng beurtheilt und so scharf gerügt, als die der Frauen.

Die in Egypten ansässigen Deutschen kennen diese Verhältnisse recht wohl und suchen ihnen durch mancherlei Mittel vorzubeugen. Einige kommen dabeiaus dem Regen in die Traufe;" sie leben mit gekauften Sklavinnen, mit Koptinnen oder Araberinncn in wil­der Ehe. Nur sehr selten trägt eine derartige Verbindung ersprieß­liche Früchte. In den meisten Fällen sind die Frauen, mit wel­chen sie leben, noch schlimmer, als jene, welche sie vermeiden wollen. Außerdem sind aber die Italienerinnen (oder Europäerin­nen überhaupt) entschieden bessere Wirthinnen, als die Morgcnlän- derinncn und haben dennoch immer noch Vorzüge vor diesen vor­aus. Um ein solches Verhältniß oder besser gesagt Mißvcr- hältniß recht anschaulich zu machen, will ich es zu schildern