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versuchen. Ein deutscher Buchbinder, Namens Meier, welcher 1849 in Alerandricn starb, erzählte mir, wie er zu seiner Frau — wir müssen das Weib so nennen — einer Koptin, gekommen war. Er hatte sie sich in Kairo „angeschafft," weil dort unter den Koptinncn, welche derartige Verbindungen einzugehen geneigt sind, eine größere Auswahl möglich ist, als in Alerandricn und anderen Orten. Unser Landsmann machte, wie ich mich später überzeugte, keine besonders großen Ansprüche auf Schönheit und konnte behufs seiner Vcrheirathung auch nur die unbedeutende Summe von zweihundert Piastern aufwenden. Die Rathschläge eines anderen Deutschen, welcher bereits in einem derartigen Verhältnisse gelebt hatte, befolgend, begab er sich zu Esel in das Koptcnquartier und trug dem Schech cl Chshrs*) sein Anliegen vor. „Gut, Herr, ich werde Deine Angelegenheit besorgen; doch sage mir, willst du eine Jungfrau oder eine schon vcrheirathct Gewesene; soll die zu Erwählende schön sein oder genügt Dir auch eine weniger Schöne, und wie viel Geld willst Du aufwenden?" Zweihundert Piaster. „Hm, da ist es wohl mit einer Jungfrau dieses Mal Nichts, doch will ich sehen, wie ich Deine Wünsche befriedigen kann; komm morgen nach dem Aaffr zu mir."
Der Heirathskandidat erschien zur bestimmten Zeit und fand den alten halbblindcn Schech in Gesellschaft von drei Frauen. Sie waren verschleiert und nur die glühenden Augen mit den eben frisch geschminkten Augenwimpern leuchteten hinter „der Nacht des Schleiers " hervor. Zu wie vielen und wie argen Trugschlüssen haben schon ein Paar solcher Augen verleitet! Auch unserem Freunde ging es so. Der Schleier hatte seinem liebeglühenden Herzen süße Träume vorgelogen, er fiel und alte, häßliche Frauen standen vor ihm. Meier war mit allen dreien höchst unzufrieden. Erst am dritten Tage wurde das Geschäft beendet. Der Schech hatte drei mittelalte Frauen herbeigeholt, von denen die eine gefiel; ich würde sie jedenfalls auch den Alten und Häßlichen zugezählt haben. Doch das gehört nicht hierher — unser Buchbinder war mit seinem Han-
*) Viertelsmeister, wörtlich „Oberster einer Straße."