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Zweiter Theil
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zuziehen. Wenn sich ein Deutscher in guten Umständen befindet und eine sichere Zukunft erworben hat, geht er nach seinem Vater­lande zurück und bringt sich von dort eine Lebensgefährtin, eine brave deutsche Hausfrau, mit nach Egypten herüber. Die beiden Gatten sind dann zwar einzig und allein auf sich selbst beschränkt, denn mit Italienern und Franzosen, Griechen und Arabern oder Kopten macht man nicht gern Gemeinschaft, aber um so mehr kehrt häusliches Glück in ihren vier Pfählen ein und wandelt die Ein­samkeit, in welcher sie inmitten des rauschenden Menschengewühls leben, zum Paradiese um. Anderen gelingt es wohl auch, eine Levantinerin, eine jener Perlen der orientalischen Frauen, an sich zu fesseln; sie vcrheirathen sich mit ihr nach christlichem Gesetz und Gebrauch, werden durch sie im fremden Lande heimischer und füh­len sich, mit ihr vereinigt, glücklich und zufrieden in der neuen Heimakh.

Aber nur der geringste Theil aller in Egypten bekannten Eu­ropäer ist überhaupt vcrhcirathet. Die Meisten leben in ledigem Zustande und Viele sind dann sehr ausschweifend. Wie in allen Seehäfen, gibt es in Alerandrien eine Menge jener unglücklichen, bedauernswürdigen Geschöpfe, welche ihre Reize für Geld feilbieten. In entlegeneren Straßen haben sich Höhlen gebildet, in denen al­len Lastern Vorschub geleistet wird. Nicht bloß Arabcrinnen, auch Europäerinnen treiben dort ihr schnödes Gewerbe. Mit wahrem Ekel sieht Der, welcher eine solche Straße betritt, die unzüchtig ge­kleideten, geschminkten Europäerinnen (meist wallachische Jüdinnen), denen das Laster alle seine Kennzeichen auf die Stirn prägte, vor den Fenstern und Thüren ihrer Spelunken sitzen. Es wäre lebens­gefährlich, eine solche Straße bei Nacht zu passircn. Betrunkene Italiener halten sie besetzt, und welcher rechtliche Mann wiche nicht gern einem Italiener aus! Hier ist der Sammelpunkt der Hefe der ganzen europäischen Bevölkerung, eine Pflanzschule des Lasters unter allen seinen Namen und zugleich der den Körper und Geist tödtenden Seuche, welche in Alerandrien schon manches Opfer for­derte. Zuweilen greift ein Konsulat mit kräftiger Hand ein, zer­stört eine solche Lasterhöhle vom Grund aus und verweist die ehr- II. 12