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Zweiter Theil
Entstehung
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179
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Vizekönig, Ibrahihm-Pascha, ein Spekulant in jeder Hinsicht*), ausgedehnte Anpflanzungen angelegt. Weintrauben kommen, in Fässer gepackt, in großen Massen über's Meer aus Syrien, Klein­asien, einigen griechischen Inseln u. s. w. Der Wein ist billig, aber selten unverfälscht. Man bekömmt fast nur französischen Roth- wcin zu kaufen, von dem die Flasche zwei bis sechs Silbergroschen kostet, doch soll es vorgekommen sein, daß ganze Fässer dieses Getränkes aus nichts Anderem als Farbeholz, Alkohol und Wein­stein bestanden haben. Der Branntwein ist wenig theurer als in Deutschland und ziemlich gut. Man liebt und kennt fast nur den Anisbranntwcin. Bier ist ein Lurusartikel und selten zu haben. Das meiste ist englisches Ale, von dem die Flasche mit zehn Sil- bergroschcn verkauft wird; einiges kommt auch von Smyrna oder Konstantinopel, wo es in neuerer Zeit deutsche Bierbrauer bereiten. Auch in Alerandricn hat man hierin Versuche gemacht, immer aber ohne günstigen Erfolg, woran das Nilwaffer Schuld sein soll. Aus den obigen Angaben, welche ich absichtlich theilwcise mit Zah­len belegte, ersteht man, daß die Preise der Lebensmittcl keineswegs niedrig, für Egypten aber enorm hoch sind. Es ist demnach na­türlich, daß auch die Arbeitslöhne hiermit im Verhältniß stehen. Ein Handwerker erhält ohne Beköstigung selten weniger als einen Speciesthalcr täglichen Arbeitslohn. Folglich sind alle Gcwerbe- und Kunstprodukte theuer. Ich will wenige Kleidungsstücke anfüh­ren. Ein feiner Rock kostet nach unserem Gelde zehn bis fünfzehn Thaler Arbeitslohn; für ein Paar gute Stiefeln hat man zehn bis zwanzig Thaler zu bezahlen, je nach ihrer Größe. Damenkleider sind verhältmßmäßig noch viel kostspieliger und bei ihnen ist es hauptsächlich der in Alerandricn herrschende Lurus, welcher die Preise steigert. Die Käuferinnen pflegen stets nach dem Theuersten zu fragen, ohne den eigentlichen Werth oder Unwerth der Waare zu

**) Er erbaute die großen Häuser der Esbekte Alexandriens auf Spe­kulation und vermietete sie an Europäer. Seine Sohne beziehen jetzt große Miethsummen aus ihnen. Fast die Hälfte der Ländereien des Delta gehören ihnen; außerdem haben sie noch bei Kairo und in Oberegypten Besitzungen, auf denen allein fünf Zuckerfabriken arbeiten.

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