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Souvenir-Album der Wiener Weltausstellung 1873 / herausgegeben von Adolf Dillinger & August von Conraths
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wittcr entladen, erhält dieses Flüsschen den Charakter eines wilden Bergstromes, dann rauschen seine Wasser und schwellen so gewaltig an, dass sie zuweilen sogar schon die Höhe der Böschungen über­schritten haben. Gegenwärtig werden die Vorarbeiten zu einer schmalspurigen Loconiotiv - Eisenbahn gemacht, welche im Fluss­bette der Wien selbst auf neu zu errichtenden Quaimauern vom Ausflusse derselben, zu den an ihrem oberen Laufe liegenden Ort­schaften führen soll. Dicht vor der Mündung in den Donaucanal ist eine Brücke über den Fluss gespannt, die hübsch gebaute Radetzkybrücke, jenseits welcher man das grosse Directionsgebäude der Donau-Dampfschiflfahrts-Gesellschaft erblickt. Dieses Letztere gehört schon zu dem YorstadtbezirkcLandstrasse.

# Yon unserm Standorte vor der Aspernbrücke sehen wir rechts an der Ringstrasse selbst zunächst eine düstere Gebäudemasse, einen Ziegelrohbau, der wie ein Zwinguri erscheint. Es ist die entschieden unschöne Franz-Josefs-Caserne, das heisst zwei neben einander errichtete und zusammengehörige Gebäude, die durch ihre Form und Anlage das vor ihnen errichtete, architectonisch werth- volle Franz - Josefs - Thor fast erdrücken. Blickt man durch das Letztere und zwischen den Flügeln des Casernenbaues hindurch, so erkennt man dahinter wiederum ein ausgedehntes sehr einfaches Bauwerk, einen Theil nämlich des Haupt-Postamtes.

Zur linken Hand, der Franz-Josefs-Caserne gegenüber, jedoch bereits jenseits des Wienflusses liegt das k. k. Haupt-Mauthamt.

Schreiten wir weiter auf diesem Theile der Ringstrassfe, dem Stubenring, so genannt nach dem Stubenthor, welches sich ehemals in der Nähe desselben befand, so kommen wir zu­nächst rechts an der Dominikanerkirche und dem Dominikaner­kloster vorüber, welche nicht direct an der Ringstrasse liegen, sondern von derselben durch einen zur Franz-Josefs-Caserne ge­hörigen Uebungsplatze getrennt sind. Die Kirche stammt aus dem Jahre 122b, besitzt beachtenswerthe Gemälde, unter denen auch gute Fresken und Sculpturen sind; in ihr befindet sich auch das Grabmal der Kaiserin Claudia Felicitas, der zweiten Gemahlin