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Ein Boot kam an uns heran, wurde mit ioo Kilo Brot, ebensoviel Kartoffeln und mit einem Fässchen Oel beladen. Z. sorgte auch noch für Cigarren. Der Rheder heisst Antonio Malata, der Capitän Zizighi. Gestern hatten sie das italienische Dampfschiff „Maria Regina“ angerufen, nicht einmal eine Antwort bekommen!
Wir hatten Alle das Gefühl, eine gute That verrichtet zu haben, das Frühstück schmeckte uns vortrefflich darauf.
Unser liebenswürdiger Capitän richtete uns ein Zelt bei der Commandobrücke her. Wir schwelgen — geschützt vor dem scharfen Winde — im Anblick der albanesischen Küste. Die Inseln Phano, darauf Corfu, Paxos, Antipaxos ziehen an uns vorbei, dahinter die schneebedeckten, zerklüfteten Gebirge Albaniens; von Weitem sieht man die Insel Santa Maura (Leucadia), Sapphos heiligen Wohnsitz.
Gegen Abend taucht die Küste von Cephalonia auf, dann Zante, vom herrlichsten Mondschein übergossen.
An 20. Jänner, Sonntag, an Bord keine Messe, obwohl wir einen italienischen Canonicus in unserer Mitte haben. Prachtvolles Wetter. Ein frischer Nordost bringt uns Schneeluft von den griechischen Bergen und Nachmittags von Creta. Wir fahren an der Südküste Moreas vorbei; zuerst ist das Cap Navarin mit den Inseln Sapienza und Venetico, dann Cap Grosso und Cap Matapan in Sicht. Die Küste des Cap Malea weit in blauen Düften. Dann erscheinen die Inseln Cerigo und Cerigotto, eine Menge kleiner Riffe vor und um dieselben gelagert. Endlich Nachmittags Creta mit seinen bis 8000 Fuss hohen, ganz mit Schnee bedeckten Bergen.
Mehrere Dampf- und viele Segelschiffe bezeichnen die befahrenen Strassen, die Einfahrt nach Griechenland und der Türkei.