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Eine Orientreise / von Fr. Graf Th.-H. Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 86 Textabbildungen von Ludwig Hans Fischer und Gust. Schmoranz
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dazwischen viel Gelächter. Einer oder der Andere fiel, ohne Schaden zu nehmen, in den weichen Sand, da drehte sich ein Sattel, dort riss ein Bügel. Alles in der besten Laune. Yalla, yalla, d. h. vorwärts, dazwischen wieder einslow- ly von ängstlichen Damen, so kamen wir wieder am Ufer, empfangen von denBakschisch-Rufen, an. Die ganze jugendliche Bevölkerung" hatte sich eingefunden, sie standen im Wasser, sie standen am Ufer und erbaten eine Gabe; mit dem hochaufgehobenen einzigen Gewände wurde die zu­geworfene Münze erhascht oder im Knäuel um dieselbe ge­kämpft. Endlich stiessen wir ab; es war Zeit, denn die eng­lischen Misses hatten- genug gesehen. Wir fuhren noch bis zur einbrechenden Dunkelheit, dann rasselte der Anker nieder. Die Sonne war prachtvoll untergegangen; golden erglänzte der Abendhimmel, von dem sich scharf die Sil­houetten der auf dem hohen Nilufer dahinziehenden Men­schen und Thiere abhoben. Die vielen Palmen mit den schlanken Stämmen und den zarten Kronen brauchen einen solchen Elintergrund, um bezaubernd zu wirken.

30. Jänner. Die falsche Pyramide von Medün begrüsst uns am Morgen. Das Schiff fuhr den ganzen Tag ohne zu halten. In unendlicher Abwechslung und doch wieder ein­tönig ernst erscheinen uns die Ufer, grosse Sandbänke, auf denen allerhand Wasserwild steht, Pelikane, Reiher und Entenarten; dann wieder fruchtbares, bebautes Land; Schöpfwerke, entweder getrieben durch ein von einem Büffel gezogenes knarrendes Rad, oder solche, an denen in drei Absätzen das befruchtende Wasser des Nil in Körben hinauf­gehoben wird; einzelne Dörfer und Städte, von Bäumen um­geben, überall reges Leben. Viele Schiffe am Flusse, mit ge­spannten doppelten Segeln, von Weitem aussehend wie die Flügel von sich herablassenden Möven; Dahabijen, diese

Franz Graf Th., Eine Orientreise. 3