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undeutlicher erscheinen. Ernst sieht dieses Statuenpaar, wie betrachtend in die Gegend; könnte es reden, es würde sicher das elende Touristenvolk, welches zu seinen Füssen die stereotypen Phrasen: grossartig — how curious, is that not lovely — ausstösst, seiner vollsten Verachtung versichern!
An die Ebene schliesst sich gegen Nordwest ein schroffes zerklüftetes Gebirge mit tief eindringenden Thä- lern an; theilweise in den gegen Luksor gerichteten Felswänden, theils in den öden Seitenthälern liegt die grosse Nekropolis, die Stadt der Leichen. Felsengrab an Felsengrab: die hervorragendsten sind die Gräber der XVIII., XIX. und XX. Dynastie. Jedes Grab am Ende eines langen, mit Seitennischen versehenen, stellenweise zur Halle sich erweiternden Ganges. Die Wände über und über bedeckt mit farbenprächtigen Darstellungen, sei es aus dem irdischen Leben der hier Bestatteten, sei es aus deren jenseitigem Leben. Hier wurden sämmtliche Königsmumien gefunden, die sich im Museum zu Bulak befinden. Fortwährend noch werden neue Funde gemacht, und die ganze Bevölkerung handelt mit Gegenständen, die in den Gräbern gefunden werden.
Doch auch die Industrie des Landes zieht Vortheil aus der Gier der Fremden, alte Gegenstände zu erhandeln, und so wird lustig Altes neben Neuem verkauft, alles aber für Alt ausgegeben und vielfach für solches gekauft.
Eine wahrhaft tropische Hitze, ein unendlicher Staub waren unangenehme Beigaben unserer gut ausgefüllten Tage. Doch man reist nicht zum Ausruhen, man will Verschiedenerlei sehen.
Ein arabisches Diner, uns zu Ehren vom englischen Consul Sir A. gegeben, zeigte uns den Brauch mohammedanischer Häuser. Nachdem wir am gemeinsamen